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Die Bürgenliste der Kreissparkasse 1850

Beitrag Dr. Michael Wittig im Heft 15 (1998) Brakeler Schriftenreihe, S. 135-142, der Festschrift Dr. Engemann*

Die preußischen Agrarreformen und die hohen Ablösesummen

Der Beitrag beginnt mit den neuen Freiheiten zu Beginn des 19. Jh. durch die preußischen Agrarreformen. 1807 war das Ende von Leibeigenschaft und Abhängigkeit von Dienstherren gekommen. Sie Seite der Abgaben und Dienste wurde als privatwirtschaftlich angesehen und erforderte die die Ablösung durch Geldzahlungen. Für die Ablösung von den Grundherren war das 25fache des bisherigen Abgabenwerts festgelegt.

Plötzlich stand eine sehr hohe Summe im Raum, ohne dass die Bauern darauf vorbereitet waren. Hinzu kam eine schwierige wirtschaftliche Lage durch schlechte Ernte und schlechte Preise, er bis 1830 andauerte. Die notwendige Ablösung konnte nicht stattfinden und Zinsen kamen dazu. In der Zwischenzeit versuchten die kleineren Bauern, durch Zuerwerb über die Runden zu kommen. Die Leinenweberei auf Webstühlen erlebt eine kurze Blütezeit, bevor sie um 1840 wieder erlosch. 

Der hohe Kreditbetrag und die mangelnde Erfahrung in Geldgeschäften wurde mehreren zum Verhängnis und führte schließlich auch zu Zwangsversteigerungen.

1848 Gründung der Kreisparkasse

Als 1848 die Kreisparkasse endlich gegründet wurde, und Kreditgeschäfte seriöser ablaufen konnten, gab es eine hohe Nachfrage nach den Krediten. Für die breite Landbevölkerung waren Hypothekengeschäfte damals nicht möglich. Um sich abzusichern, forderte die Sparkasse zwei Bürgen, die mit einer gewissen Summe haftbar wurden, wenn der Fall der Insolvenz eintrat. Johann Müller, der damalige Bürgermeister von Brakel, stellte eine bemerkenswerte Liste von Bürgen zusammen, die Brakel als künftigen Sitz des Instituts bestätigte.

Die Bürgenliste 1850 für Kredite

Die erste namentliche Bürgenliste von 1851 ergibt ein aufschlussreiches Bild über die Zusammensetzung der wohlhabenden Stadtbevölkerung („ökonomische Oberschicht“), die sich für die Sparkasse des Kreises engagierten. 53 Personen sind laut Tabelle aufgeführt: Kaufleute (17), Ökonomen (Gutsbesitzer, 18), auch Handwerk (13) und Amtsträger in Staatsdiensten (4) ließen sich aufnehmen mit Beträgen zwischen 300 und 4.000 Talern. ZUm Vergleich: Der Jahresverdienst eines Arbeiters betrug 130 Thaler und war ausreichend für eine Familie mit 6 Personen.

Zu den bürgenden Personen (Exkurs von M. K.)

Auffällig ist die große Zahl der Ökonomen, die Besitzer großer Betriebe, die offenkundig ihre Ablösung erfolgreich hinter sich gebracht hatten. Auch die jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibende sind auffallend stark vertreten. Sie waren in Geldgeschäften bisher oft der erste Ansprechpartner der Landbevölkerung.
In der Namensliste stehen 16 jüdische Personen (Flechtheim 5 x, Löwenbaum 2 x, , Northeim, Padberg, R(B?)othenberg, Scheideberg, Stern, Sudheim 2 x, Weiler), was einem Anteil von ca. 30 % der aller Bürgen entspricht. In der Brakeler Bevölkerung lag der jüdische Anteil damals bei ca. 8 %. Auch in der Höhe der Bürgensumme liegt die Gruppe mit 2.300 Talern deutlich über den anderen Bürgen, die etwa 1.000 Tale im Schnitt bereitstellten. Das zeigt, dass die jüdischen Geschäftsleute innovativ und erfolgreich waren in den wenigen Jahrzehnten der bürgerlichen Freiheit.

Der Autor Michael Wittig schließt den Beitrag mit dem Hinweis, dass die Sparkasse somit erfolgreich das erste Kreditgeschäft gestaltet hat und eine Steigerung der Kredit-Darlehen von 40% auf 66% folgte im anschließenden  Zeitraum 1851 bis 1861.

Literatur

Wittig, Dr. Michael: Von Anfang an fortschrittlich: Die Kreis-Sparkasse zu Brakel 1848-1998, S. 135-142. In: Brakeler Schriftenreihe,  Heft 15 (1998)

Liste der Bürgen der Sparkasse 1850. Sie ermöglich einen Einblick in die Besitzverhältnisse, Berufsgruppen und Namen,