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Buch Bellersen NS- und Nachkriegszeit

Das geplante Buch von Heinz Düsenberg erhält Vorschusslorbeeren und gute Kritiken im Vorfeld durch die Verleihung des Heimatpreises der Stadt Brakel 2025 dafür, das schwierige Thema NS-Zeit und die frühe Nachkriegszeit aufzugreifen. Aber das Buch ist kein klassisches Geschichtsbuch und keine „Historische Betrachtung“, wie der Untertitel suggeriert, sondern eher ein Erzählbuch oder Streifzug mit, zugegeben, prägnanten persönlichen Erinnerungen, Dokumenten aus der Ortschronik und wenigen Zeitungsberichten.

Kein klassisches Geschichtsbuch

So ist das Buch kein sachlicher Bericht und eine kritisch-historische Auseinandersetzung mit den besonderen historischen Fakten. Schade, dass auch der herausgebende HVV Bellersen nicht auch einen Historiker oder Publizisten hinzugezogen hat. Auch werden Erkenntnisse aus den benachbarten Orten nicht mit einbezogen. Die vorhandenen Ergebnisse der Befragungen konkurrieren außerdem mit den vielen Fotos und den persönlichen Betrachtungen des Autors. Der eh. Ortsheimatpfleger (und Heimatgebietsleiter des Westf. Heimatbundes), Horst-D. Krus (1949-2018), kommt als eh. Flüchtlingskind ausführlich zu Wort. 

Aus dem Inhalt

Vom Alltag in der NS-Zeit ist viel die Rede. Aus der Dorfchronik wird zitiert und aus dem NS-Volksblatt (erst ab 1941). Zwei kurze Absätze (S, 24/25) beleuchten das Thema Juden allgemein. Auch die „Schweigespirale“ der Nachkriegszeit wird öfter erwähnt. Flüchtlinge (Vertriebene) und Kriegsheimkehrer sind umfangreich dargestellt.

Bei der Befragung sind auch viele historische Fotos aufgetaucht, von denen ca. 100 im Buch zu finden sind, teils ganzseitig. Viele verdienen eigentlich gesonderte Betrachtung und sind nicht nur Beiwerk.

Die Sichtweisen des Autors nehmen viel Platz ein: Vorwort, Persönliches Fazit und Nachwort umfassen 13 Seiten. Der Autor hat viel zu sagen zur historischen Zeit, zur allgemeinen Geschichtsvergessenheit, zum unklugen Verhalten der Menschen, zum Antisemitismus, zum Rechtsextremismus und Demokratieverständnis. Andererseits sieht 80 Jahre Frieden als ein Geschenk an, ebenso die vorhandene lebendige Gemeinschaft, die es zu erhalten gilt. Viele Aspekte werden mit philosophischen Zitaten untermauert und überhöht. – Auch die Erfolge des Dorfes Bellersen bei früheren Dorf- und Kulturwettbewerben kommen nicht zu kurz.

Einige Daten zum Buch

Es wurden 30 Zeitzeugen befragt, die von 1928 bis 1944 geboren sind. Zusammengekommen (bzw. in die Auswahl übernommene) sind 35 Zitate. Dem Autor gefallen die authentischen Aussagen in der Diktion der Alltagssprache, sie führten zu einer ungeschminkten Darstellung der Dorfgeschichte. Dazu kommen eingeflochtene Geschichten im Kapitel Kindheit und Schulzeit.

Die Passagen aus der Ortschronik stammen von dem Chronisten Aloys Versen, der gleichzeitig hoher NS-Funktionär und „politischer Leiter“ war. Er wird an anderer Stelle als „Ortsgruppenleiter“ benannt, was nicht korrekt ist. Er war „Zellenleiter“ für die Orte „Bellersen, Bökendorf und Abbenburg“, die der Ortsgruppe Vörden angehörten. Aus dem als „Volksblatt“ betitelten Presseorgan (korrekt: NS-Volksblatt für Westfalen, Ausgabe [Kreis] Höxter) werden einige wenige Artikel angeführt. Das ist schade, da das Zeitungportal „ZeitPunkt NRW“ es ermöglicht, die historischen Ausgaben auszuwerten. In den folgenden Zeit-Epochen sind weitere zeitliche Episoden und Ereignisse eingeflochten. Auch hier wird eine notwendige kritische Betrachtung sehr vermisst.

Ein Fazit

So wird aus dem Vorhaben einer „geschichtlichen Betrachtung“ ein, zugegeben, interessanter Streifzug durch die NS- und Nachkriegszeit, versehen mit guten Ratschlägen für die Zukunft. Die dramatischen Verhältnisse des Kriegsalltags, die traumatisierten Betroffenen, der Blick auf Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene und die Eingliederung der ostvertriebenen Flüchtlinge werden eindrucksvoll vor Augen geführt. Das Buch ist ein Aufruf, sich den vorhandenen Herausforderungen zu stellen und aus der Geschichte zu lernen.

Das Buch schließt mit dem Gedicht „Heimkehr“ von F.-W. Grimme (1827-87) aus dem Sauerland mit dem Lob der Heimat, die immer wieder in jüngere und neue Hände geht.

Literatur

  • Heinz Düsenberg (2026): Bellersen in er NS-Zeit – Eine historische Betrachtung , 80 Jahre Kriegsende. Hg. Heimat- und Verkehrsverein Bellersen. Druck Annen-Media Brakel. 80 Seiten, viele Fotos
  • Westfalen-Blatt v. 07.03.2026 „Zeitzeugen aus Bellersen geben der Geschichte ein Gesicht“
  • Mitteilungsblatt der Stadt Brakel v. 17.03.2026 „Ungeschminkte Dorfgeschichte: Heimat- und Verkehrsverein Bellersen präsentiert außergewöhnliches Zeitzeugnis“
  • Franz Meyer, 800 Jahre Born 1222 bis 2022. Geschichte eines westfälischen Bauerndorfes, Bielefeld 2022, Kapitel Unterm Hakenkreuz S. 106-110).