Heft 1 (1985): Die Brüder Grimm und ihre Beziehung zum Brakeler Raum
Vorweg
Impressum: Die Schriftreihe (Bezeichnung!) erscheint einmal im Jahr. Über Themen mit heimatlichem Bezug. Hg. J. W. Braun; Förderer Firma FSB (Franz Schneider Brakel).
Autor: Ulrich Ernst, Detmold. Manuskript der Rede v. 25.04.1985. Einführungsvortrag zum Veranstaltungszyklus Grimm-Jahr 1985. 21 Seiten
Es werden mehrere Zeichnungen aus den Skizzenbüchern von Ludwig Emil Grimm (1790-63) gezeigt, darunter auch Porträts der Zeit. Auch ein Abriss über die politisch wechselvolle Zeit des Hochstifts Paderborn nach 1803 wird gegeben.
Hinweis: Die Brakeler Schriftenreihe umfasst seit dem Start 1985 jetzt 28 Hefte (2025) mit einem breiten Spektrum von Themen (hier), mitfinanziert von den beiden Mäzenaten der Brakeler Wirtschaft „FSB“ und „Fritz Becker“.
Inhalt
Das Land Hessen feiert 200 Jahre Brüder Grimm mit Großaktionen für Kultur, für die Grimm-Orte und entwickelt das touristisches Potential. Der Autor sagt, Bökendorf brauche sich nicht zu verstecken. Ab 1808 waren die Grimms häufig in Bökendorf und hätten die Beziehung über Jahrzehnte gepflegt. Dass Jacob Bibliothekar in Kassel wurde, war förderlich für die Kontakte.
Vorgestellt werden die drei Familien:
- von Haxthausen. August von Haxthausen wird auf S. 17 ausführlicher dargestellt. Mit den Nichten Jenny und Annette von Droste-Hülshoff.
- Brüder Grimm – die Sprachwissenschaftler Jacob (1786-1863), Wilhelm (1786-1859), Ludwig Emil (1890-1863)
Zu den Grimms
Es war die Zeit der Spätromantik mit Rückbesinnung auf Erbe der Väter. Dafür stehen die Namen Brentano, Grimm, Eichendorff u. a. Diese sahen in den Märchen und alten Volksliedern das ganz alte Volksgut, sozusagen die Ur-Quelle des Lebens und das deutsche Nationalgut. Die moderne Märchenforschung widerlegt diese These deutlich.
Für die Sammlung der Märchen, Sagen und Liedern durch die von Haxthausen gelte das jedoch nicht, heißt es. Diese Sammlung hatte besonderen dokumentarischen Wert, wie die Grimms in Briefen mehrfach betonten.
Bökendorf ist ein kleines literarischen Zentrum der Zeit
Die Brüder Grimm, Clemens Brentano, Joseph Görres, Heinrich Straube, August von Arnswaldt, Jenny von Droste zu Hülshoff und ihre später als Dichterin berühmte Schwester Annette von Droste-Hülshoff bildeten einen kleinen ambitionierten Kreis, in dem ein freier Geist herrschte. Die Briefwechsel zeigen die vertraute Atmosphäre, die freundschaftliche Verbundenheit und die anregende Umgebung. Es wurden Unternehmungen in die nähere Umgebung unternommen, auch wurde viel gesungen und musiziert. Die Musik war Teil noch des Alltags.
Schluss
Es ist deutlich geworden, dass das Grimm-Jahr bedeutend sei auch für Bökendorf über 25 Jahre hinweg und mit beachtlicher Relevanz für das literarische Leben der Zeit. Außer dem ist ein Versäumnis und Ärgernis, dass die Deutsche Märchenstraße mit Start in Hanau in Kassel endet. (Hinweis: Die Märchenstraße wird später über Höxter und Hameln bis Bremen weitergeführt.) Es lässt sich festhalten, dass heute, in einer offener werdenden Gesellschaft, durchaus der Wunsch besteht, sich wieder mehr mit der eigenen lokalen Geschichte zu beschäftigen.
Anhang
Hinweis auf Beitrag im Jahrbuch 1985 des Kreises Höxter, S. 169 ff., unter dem Titel „Literatur und Literaten in und um Brakel“ von Ulrich Ernst, mit ausführlichen Literaturangaben.
Der Herausgeber fügt die Notiz vom 1.8.1985 hinzu -nach dem Besuch der Ausstellung in Kassel und den Blick Katalog. Die Ausbeute für Brakel sei insgesamt mäßig. Deshalb waren „die eigenen Veranstaltungen des Brakeler Raumes notwendig, um die heimatlich-patriotischen Akzente richtig zu setzen„.
