Tierarzt Heinrich Nutt (Brakel) über seinen Heimatort Dössel
Heinrich Nutt (1857-1940), Tierarzt in Brakel und VeterInärrat Krs. Höxter ist den Heimatfreunden bekannt durch sein Engagement als praktischer Tierarzt und als Autor der Vereinschronik des Gesellschaftsvereins Club von 1929. Die Praxis wird durch seinen Sohn Dr. Harry Nutt und dessen Schwiegersohn Dr. Wilhelm Classen bis ca. 2000 weitergeführt. Mit dem Reiterverein Nethegau war die Familie eng verbunden.
Im Aril bis Mai 1935 erscheint eine Artikelfolge in der „Warburger Warte“ mit fünf Beiträgen unter dem Titel:
„Zur Geschichte der Gemeinde Dössel – Nach der Dorfchronik. Von Nutt (Brakel), VeterInärrat“
Darin beschreibt er – nach Chronikunterlagen – die alte Zeit ca. 1800 bis 1860 der Gemeinde und insbesondere des Bauernstandes seines Heimatortes Dössel.
Das Gut Haus Riepen (Fam. Fischer) und das Dorf mit 500 Einwohnern waren eng verflochten bis zur Ablösung der Hand- und Spanndienste Anfang des 19. Jh. Nach schwierigen Erntejahren wegen Missernten, Hagelschlag und Mäuseplage verbessert sich die Lage ab 1850 endlich.
Auch Steuerlasten, die Fruchtpreise, die Versorgungslage und die allgemeine Verschuldung (durch „beschnittene und unbeschnittene Juden“) erfahren Entlastung durch die Kreissparkasse mit ihren seriösen Krediten. Die Juden von Dössel werden nur am Rande erwähnt. Es waren wohl 2-4 Familien im Dorf, von denen mehrere Personen nach USA ausgewandert sind.
Auch Krankheiten von Mensch und Tier werden thematisiert. Das „Wechselfieber“ (ähnlich Malaria), mit einigen Todesfällen in nassen Jahren, soll mit der Trockenlegung der Umgebung verschwunden sein.
Eine große Rolle spielen auch die Erschließung (Verbesserung der Infrastruktur) und geänderte Nutzung des fruchtbaren Bördebodens unter den Preußen. Das Urkataster von 1831 und die Ablösung der Hudegerechtigkeit (gemeinsam genutztes Weideland) bringen den Aufschwung für die Bewohner. Die Separation (große Flurbereinigung mit Abschluss 1869), der Wegebau und die Entwässerung der Flächen waren wichtige Voraussetzung dazu.
Nähere Informationen über die Kirche, die Schule und die Verwaltung sind im Bericht enthalten.
Die Beiträge enden mit einem Lob des Bauerntums, der Höfetradition und der Landwirtschaft. Die Chronik als „Geschichtswerk der lieben Heimat“ möge weiter geführt werden.
Quelle
Warburger Warte, Unterhaltungsbeilage des Warburger Kreisblattes (zweimal wöchentlich, Schriftleiter A. Schäfers, Warburg)
- Zur Geschichte der Gemeinde Dössel – Nach Auszügen aus der Dorfchronik. Von Nutt, Brakel (VeterInärrat)
- 09.04.1935 Teil I / 13.04.1935 (1. Fortsetzung) / 29.04.1935 (2. Fortsetzung) / 27.04.1935 (3. Fortsetzung) / 04.05.1935 (Schluss)
