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Der Dreißigjährige Krieg ruiniert das Land

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) war nicht nur Durchzugsgebiet der Truppen der kaiserliche Liga (katholisch) sowie von Schweden, Hessen u. a. (evangelisch, Anti-Habsburg). Die Nähe zu Hessen führt zu einem nicht nachlassenden Einsatz um diesen Teil des Hochstifts, den Raum zwischen Diemel und Egge. Wie umkämpft das östliche Hochstift war, zeigt das „Blutbad von Höxter“ vom 20. April 1634, als die Truppen des Fürstbischofs und Verbündete die evangelische Stadt Höxter verwüsteten mit 1.500 Toten. Sie wollten ein Exempel statuieren und ihren Machtbereich bzw. den von Corvey sichern.

Ruprecht Ewald widmet diesem Kapitel 25 Seiten (S. 173-203), in dem die Schrecken des Krieges und dieser Jahre sichtbar werden. Die Stadt Brakel beherbergte insgesamt 17 Truppenteile mit 80 bis 200 Soldaten und ebenso vielen Pferden. Die fälligen Kontributionen (Barzahlungen) ruinierten Stadt und Privatpersonen.

Die Stadt hatte am Kriegsende 1648 noch 1300 Einwohner, war hoch verschuldet und es dauerte Jahrzehnte, bis normale Leben möglich war.

Zahlreiche Dokumente aus der Stadtarchiv berichten von

  • Konfiszierung von Pferden
  • Einquartierungskosten für Mensch und Tier
  • Fuhrleistungen, Proviant (Brotlieferungen) und Naturalienlieferungen (Getreide, Futter, Stroh)

Die Landwirtschaft geriet in den Blickpunkt: zunehmend ohne Zugtiere, ohne sichere Ernten durch Wetterunbilden, dem Fehlen von Produktionsmitteln, dazu Raubzüge in den Feldern. Ganze Ländereien blieben unbewirtschaftet, sodass zuweilen blanke Not herrschte und Menschen abwanderten. Es grenzt an ein Wunder, dass eine noch größere Katastrohe ausgeblieben ist.

Dr. Engemann (s. Lit. 1998) fasst zusammen, dass die Franzosen im Hintergrund als Finanziers des Krieges dazu beitrugen, die gewaltigen Kriegslasten in Grenzen zu halten. Ebenso stützen sie den hessischen Stadtkommandanten Major Berthold Lauffmann, der länger in der Stadt und durch Hochverrat die Stadt vor der Zerstörung bewahrte. Die verordnete Verwüstung der Stadt beim Abzug der Truppen soll er 1848 verhindert haben durch seine Befehlsverweigerung. Lauffmann heiratete hier und wurde 1649 Brakeler Bürger mit Frau und zwei Söhnen (siehe Bürgerbuch Leesch).

Das Theaterstück von 1995 und der Berthold-Lauffmann-Weg (ca. 2000) erinnern an den Retter der Stadt. – 1998 (350 Jahre Kriegsende) finden in der Stadthalle drei Aufführungen des Theaterstückes „Major Lauffmann“ statt. Bei dem Volkstheater sind alle Darsteller aus Brakel. Der Text stammt von Dr. Hans Seewald (1931-2004) nach der Idee von Dr. Herbert Engemann (1923-2026), Regie führte Renate Korte. Ein Orchester spielt unter der Leitung von Walter Spillmann, alle Lehrer des Petrus-Legge-Gymnasiums.

Weitere Literatur
  • Dr. Herbert Engemann (1998): Der Dreißigjährige Krieg im Spiegel des Stadtarchiv. In: Die Warte Nr. 199, S. 15-17
  • Zu Dr. Hans Seewald: Ein Nachruf von Sigrid und August Lobner steht im „Bredenbrief 2004“. Darin ist auch das Gedicht enthalten, das an dessen 70. Geburtstag vorgetragen wurde.