Jüd. Schüler aus Brakel am KWG Höxter
Das König-Wilhelm-Gymnasium Höxter, gegründet 1885 (bzw. 1867), genießt einen ausgezeichneten Ruf. Das KWG wurde von 163 jüdischen Schülern besucht, ihr Schicksal steht stellvertretende für viele andere.
- Davon sind 32 im Holocaust ums Leben gekommen. 24 Namen stehen auf einer Gedenktafel im Foyer der Schule.
- 44 gelang die Flucht aus NS-Deutschland
- 45 starben vor dem Holocaust
- 8 fielen als Soldat im Ersten Weltkrieg
- 9 Schüler mit unbekanntem Schicksal
Die Schülerkartei des KWG Höxter ist offenkundlich vorbildlich und umfangreich. Fritz Ostkämper, ehemaliger Lehrer und Spezialist für jüdisches Leben im Höxter (vgl. Internetseite des Forum-Jakob-Pins) hat die Daten und die Protokolleinträge der Schule für die jüdischen Schüler ausgewertet und dargestellt. Dort sind auch entsprechende Zeitungsmeldungen und spätere Fundstücke aus dem Internet mit aufgenommen.
Aus Brakel sind 5 Schüler registriert:
- Kurt Weiler, geb. 1901, gest. 1971
Eltern Hermann Weiler (Kfm. in Landhandel WHF) und Margarete Fränkel
Konzertsänger in Berlin, 1933 emigriert Südafrika, dann Connecticut/USA - Karl L. Weiler, Dr. jur., geb. 1904, gest. 1988
Eltern Fritz Weiler (Kfm. in Landhandel WHF) und Ella Ederheimer
Anstellung al Richter in Berlin nicht möglich, Rechtsberater und Teilhaber in Firma WHF bis 1936 (
Arisierung). 1937 Auswanderung Baltimore/USA. Vita vgl. „Karl und Mina Weiler Papers“ Holocaust Museum NY. - Kurt Heineberg, geb. 1901,
Eltern Hugo Weiler (Kfm. in Landhandel WHF) und Else Schloss
1933 Auswanderung über England nach Porto Allegro/Brasilien. Eltern kommen nach - Oskar Heineberg, Dr. jur., geb. 1907, gest. 1994
Eltern Julius Heineberg (Kfm. Landhandel WHF) und Emma Bendix
1933 Auswanderung Argentinien, später Peru (Edelmetallindustrie). Gründet als Musiker Orchesterverein und ist hoch angesehener Bürger - Martin Heineberg, geb. 1911, gest. 1979
Vater Julius Weiler (Kfm. Landhandel WHF) und Emma Bendix
1933 Auswanderung Argentinien, später Peru (Edelmetallindustrie)
Von den Schüler sind auch Porträtfotos aus der Schülerzeit enthalten und eine Lebensbeschreibung dazu recherchiert und geschrieben (hier). Kapitel „Juden am König-Wilhelm-Gymnasium“
Weitere Schüler der Schule waren
- Walter Dalberg, geb. 1897, Kriegsfreiwilliger, gefallen 1915 in Nordfrankreich. Vater Julius Dalberg, Kfm.
- Heribert Siegfr. Löwi, geb. 1909,
1937 Auswanderung USA.
Eltern Siegmund Löwi (Viehhändler) und - Otto Sommer, Dr. med. (Kinderarzt), geb. 1895, gest. 1979
Eltern August Sommer (Kfm. Landhandel) und Jenny Sudheim
1936 Auswanderung USA (Virginia). Otto Sommer lebte von ca. 1950 bis 1972 in Frankfurt Main.
Der Vater erblindete und zieht (nach 1933) mit Frau in jüdisches Altersheim in Berlin.
Antisemitismus müssen zwei Schüler erleben
- Oskar Heineberg 1922
1922 (Kl. 10) Vorwurf gegen einen Mitschüler. Dieser hatte ihm einen Brief mit einem gegen die Juden gerichteten deutschnationalen Wahlaufruf geschickt. Beide Schüler erhalten einen Verweis, Oskar, weil er sich vorher ungebührlich und frech gegenüber seinem Mitschüler verhalten hatte. Er studierte Jura und promovierte 1930. – Er wird bei einem Edelmetallunternehmen in Südamerika tätig und gründet einen Orchesterverein. Er selbst spielt ausgezeichnet Violine und Klavier. Das Symphonieorchester von Peru in Lima spielt Kompositionen von ihm (1971). - Kurt Heineberg 1928
Klasse 13. Kurt wird gekränkt durch eine Karikatur mit Hakenkreuzsymbol. Der Mitschüler erhält einen schriftlichen Verweis. – Kurt verdächtigt einen Lehrer des Antisemitismus wegen seiner schlechter Sportnote. Der Vorwurf ist zu Unrecht. Kurt wird der Verweis von der Schule angedroht. Der Fall wird erneut verhandelt wg. eines weiteren Vorwurfs an den Lehrer. Kurt entschuldigt sich bei der Anhörung und er erhält einen mündlichen Verweis.
Schlussbemerkung (d. Verf.)
Die beiden Brüder sind bereits 1933 nach Südamerika ausgewandert und haben die Eltern nachgeholt. Dabei hat das Umfeld mit Erlebnissen in Schule, Gesellschaft und Politik sicherlich eine Rolle gespielt.
Hinweis: Bereits 1826 besuchen 3 jüdische Schüler das Gymnasium in Detmold, Paderborn und Kassel. Vgl. Engemann 1979, S. 282. Die Bildung hatte immer großen Stellenwert.
