Jüdische Emigration, Schicksale und Erinnerungen
Das Buch Engemann und Ernst (Buch 1988, S. 118) nennt die Zahl der jüdischen Auswanderer aus Brakel.
- 42 Personen (17 Meldungen) nach Arbeit B. Schulte [1]
- 82 Personen (19 Meldungen) nach Angaben Buch 1988
Hinweis: Eine Auswanderung damals war mit einer Einreisegenehmigung des aufnehmenden Landes verbunden. Einen Asylgrund wie heute gab es nicht. In den schwierigen Zeiten ab 1936 war die Aufnahmebereitschaft allgemein nicht mehr groß, den Staat Israel wurde erst 1949 gegründet. So kam es auch zu Auswanderungen in weitere Kolonien wie Shanghai. Das dort als Ghetto bezeichnete Stadtviertel beherbergte 20.000 Juden aus dem Deutschen Reich, darunter auch Juden aus Steinheim.
Die Situation war sehr bedrückend für die Ausreisewilligen. Sie musste Umwege und neue Ziele ins Visier nehmen. In den Neuen Ländern mussten sie nicht selten ganz einfache Berufe annehmen, um über die Runden zu kommen.
Es werden weitere Schicksale von Brakel teils anhand von Briefen usw. vorgestellt
- Jenny Rose aus Brüssel 1944 (S. 118-26)
- Otto Kaufmann (Sohn von Jenny Rose) aus Göteborg/Schweden (S. 118-26)
Weitere fünf Beispiels (S. 126-131) sind
- Nathan Rothenberg (eh. Am Markt, USA)
- Mally Lobbenberg verh. Littmann (eh. Klosterstraße, Bolivien)
- Simon Heineberg (eh. Hanekamp, Israel)
- Hugo Heineberg (eh. Am Gänseanger, USA)
- NN („Halbjude“, dem KZ entkommen, eh. Königstraße)
- Siegmund Hakesberg (eh. Schoppenstiel, Ermordung im KZ)
Bedrückend sind dabei die Umstände von Flucht und dem Aufbau eines neuen neuem Lebens. Auch Anträge auf Wiedergutmachung wurden gestellt. Die Ergebnisse werden nicht mitgeteilt. Bekannt ist nur, dass die Verfahren sich bis nach 1970 hingezogen haben sollen.
Ein Fall eines „Volljuden“ (S. 131-36) , der mit einer Katholikin verheiratet war (und damit keinen Judenstern tragen musste), im Glashandel Bad Driburg arbeitete, endet mit seiner Abschiebung 1944.
Schließlich werden (S. 137) Erinnerungen Brakeler Bürger in kurzer Form mitgeteilt. Da ist von bewegenden Abschieden die Rede, von Versuchen den Schmuck zu verkaufen vor den für die meisten finalen Transporten in den Osten. Von sonntäglichen Hetzgesängen auf dem Marktplatz, von der Überwachung der Personen und von Provokationen vor den Häusern mit einem gestorbenen jüdischen Bürger.
Literatur
- Brigitta Schulte (1984): Die Synagogengemeinde Brakel […]. Staatsarbeit der GHS Paderborn, Maschinenexemplar im Stadtarchiv.
