BSV Bürgerschützenverein von 1567 Brakel
Gründung
1567 von der Stadt als Schützenbruderschaft gegründet. Die städtische Bürgerwehr, die seit der Stadtgründung nachweisbar ist, wurde damals in einen Verein überführt. Der Name ab 1590 lautete „Schützengesellschaft“. Um 1930 Namensänderung in „Bürgerschützenverein von 1567“.
Gliederung in 4 Zügen nach den vier alten Bauernschaften der Stadt: Thy / Königstraße / Ostheimer Straße / Hanekamp.
Die meisten anderen Schützenvereine der Umgebung sind Mitglied im Bund der Historischen Schützenbruderschaften und damit stärker einseitig katholisch-kirchlich ausgerichtet mit Diözesan-Präses u. a. Die Emanzipation und Gleichberechtigung ist auch hier mittlerweile gegeben. Die Bezeichnung „Bürger“ gilt seit 1590 und bezeichnet die neutrale Haltung und Offenheit für alle. Das Motto „Glaube, Sitte, Heimat“ ist für beide Richtungen gleich. Das gute Verhältnis zur Kirche wird in Brakel dokumentiert durch regelmäßige Einladungen, der Sudheimer- und Annen-Prozession und die Teilnahme an den Festhochämtern nach den hohen Feiertagen.
Ziele, Veranstaltungen
Die Ziele des Schützenvereins sind die Traditionspflege, die Förderung des Schießsports, die Geselligkeit und Gemeinschaft stärken sowie Jung und Alte zusammenbringen.
Die jährlichen Veranstaltungen sind:
- Lichtmessball (Febr.)
- Lobeprozession zur Sudheimer linde (Juni)
- Schützenfest (Juni)
- Amtsübergabe an den neuen Dechanten am 6. Januar
Orte
Orte des Königschießens
Das Königsschießen fang ursprünglich vor der Stadtmauer statt, im Bereich Schützenstraße zur Brede hin. 1823 Neuer Ort am Schützenanger und 1864 an der Ausschachtung (an Bahnlinie im Bereich Durchfahrt Ostheimer Straße). Ab 1980 als Ringscheibenschießen in der Bahnanlage der Stadthalle.
Schützenhalle, Stadthalle
Die alte Schützenhalle „Am Schützenanger“ von 1874 war ein Holzbau (Querhaus) mit 32 x 16 m. Über dem Eingang zwei Steine mit den Jahreszahlen 1590 (Gründungsjahr, später korrigiert auf 1567) und 1874. Vor der Halle die Friedenslinde zur Erinnerung an den Krieg 1870/71 gegen Frankreich. Von dem letzten Schützenfest vor der alten Halle (1925) gibt es ein Foto des Vorstands und Gliederungen mit 25 Personen, allesamt aus Brakeler Familien und ein Abbild der Stadtgesellschaft. Die Halle wird nach Nieheim-Oeynhausen verkauft. Der Bau der neuen Stadthalle 1925 erfolgte in Erwartung des Stadtjubiläums 1929 (1.100 Jahre Brakel) als „größter Saalbau Ostwestfalens“.
Besondere Ereignisse
- 1930 ff Der alte Gemeinschaftstanz Tampete erfährt eine große Wiederkehr. Im Zeitungsbericht v. 30.06.1934 heißt es, dass Polonaise, Tampete und Kegel auf den gepflegten Rasenwegen vor der Stadthalle getanzt wurden. Die Tradition wurde bis in die 1970er Jahre beibehalten.
- Das Motto des Schützenfestes lautete: „Üb Aug‘ und Hand – für’s Vaterland“
- 1948 Das erste Schützenfest nach dem Krieg wird zunächst nicht genehmigt von den englischen Alliierten, dann aber ermöglicht, mit der Bezeichnung „Fest des Bürgervereins“
- 1980 Bau der mehrbahnigen Anlage für Sportschießen im Keller der Stadthalle in Eigenleistung.
- Fahrten nach New York (Steubenparade), Schottland u. a. (ca. um 1980 und folgende Jahre)
- 1992 Jubiläum 425 Jahre mit Buch von Dr. Herbert Engemann (Ehrenmitglied)
- 1997 Wiederaufnahme des Salutschießen mit Gewehr und Kanone beim Lobetag
- 2017 Jubiläum 450 Jahre mit Buch Bernd Zymner u. a. „Teil II“)
- 2017 Edelstahl-Stele (450 Jahre) an der Sudheimer Linde
- 2020 folgende: Neuausrichtung mit König und Königin, mit Hofstaat und Jungschützenkönig u. a.
Literatur
- Engemann, Herbert (1992): Das Schützenwesen der Stadt Brakel 1567-1992.
- Hoffmeister, Hermann (1987): 420 Jahre Bürger-Schützenverein Brakel. Manuskript 6 Seiten
- Zymner, Bernd u. a. (2017): Das Schützenwesen der Stadt Brakel, Teil II, Chronik.
