Die Situation im Kreis Höxter

Die Situation um 1950 im Kreis Höxter (vgl. Bratvogel 1952)

Vertriebene sind Flüchtlinge aus den eh. deutschen Ostgebieten wie Schlesien, Pommern, Ostpreußen.  
Das Buch Bratvogel, Beschreibung des Kreis Höxter von 1952 dokumentiert die Lage um 1950. Mit allgemeinen Übersicht beginnt der auf Daten und Fakten konzentrierte Band. Die Bevölkerungsverhältnisse (Einwohner S. 5) werden betrachtet und auf S. 51 weitergeführt. Zum besseren Verständnis sind wenige Erklärungen hinzugefügt.

Größe und Einwohnerzahlen (1950)
darunter:
Brakel 4.265 ha, Wohnbevölkerung 6.215, davon männl. 2.728, Vertriebene 1.224 (= 20 %*), ev. 1.136, kath. 5.048
*Diese Zahl 20 % betrifft nicht nur Brakel, sondern die gesamte Bundesrepublik

Notstandsgebiet Kreis Höxter
Der Kreis Höxter ist aufgrund der Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt und der großen Zahl von unterstützungsberechtigten Personen Notstandsgebiet. Weitere Ursachen für diesen Zustand liegen in den Kriegsfolgen, den Heimatvertriebene und der Währungsreform 1948.

Anteil der zugewanderten Personen im und nach dem Krieg
Kreis Höxter: Einwohner 99.579 Personen, davon zugewandert 33,2 % (Land NRW 12,6 %). Es sind Evakuierte aus dem Ruhrgebiet z. B. und Flüchtlinge zusammen. 

Anteil Flüchtlinge im Kreis 1950: 20.887 Personen = 19,14 % (Land NRW 8 % *). *s. Anmerkung oben

Die Verteilung der Flüchtlinge
Die Flüchtlinge wurden durch die Behörden auf die Gemeinden verteilt und mussten dort irgendwie untergebracht werden. Auf dem platten Land brachte das die Schwierigkeit mit sich, dass die Arbeitsmöglichkeiten entfernt lagen. Damit entstand hohe Arbeitslosigkeit und ein großer Teil musste berufsfremde Tätigkeiten ausüben.
Die Unterbringung vor Ort konnte oft nur behelfsmäßig erfolgen, da die Bauernhäuser nicht dafür eingerichtet sind und viele Personen dort lebten und die Landwirtschaft und große Rolle für die allgemeine Versorgung der gewachsenen Bevölkerung notwendig war.

Vertriebene nach Konfession
Ev. 54,1 %, kath. 42,2 %, andere 2,4 %, keine 1 %
In vorher rein katholischen Gemeinden waren nun Evangelische in größerer Zahl angekommen. Das hieß auch getrennte Gottesdienste in den Kirchen und oft getrennte Schulen. Das Zusammenleben war nicht einfach und es dauerte mehr als ein Jahrzehnt, bis die Lage sich einigermaßen normalisierte.

Literatur
Friedrich Bratvogel (1952): Der Kreis Höxter. Kreis und Stadthandbücher des Westfälischen Heimatbundes, Regensberg/Münster