Familie Sommer
Landhandel und Kolonialwaren Sommer
Der Landhandel im Haus Königstraße 7 (nach dem späteren Besitzer „Haus Lobbenberg“ genannt) hat 1890 eine 100-jährige Vorgeschichte. Das Geschäft war zwei Generationen im Besitz der Familie Sudheim. Das waren wohl die Kaufleute
- Zadock Sutheim (geb. 1782) und Bruder Levi Sutheim, David (geb. 1805),
- Abraham (geb. 1815) , Salomon (geb. 1818), Moses Sutheim (geb. 1822)
Durch die Hochzeit von Ida Sutheim, Tochter des Abraham Sutheim, mit August Sommer aus Bacharach (am Rhein) im Jahr 1890 wird das Unternehmen in dem „großen Patrizierhaus“ Königstr. 7 auf neue Füße gestellt. August Sommer schaltet viele Anzeigen für Landhandelsprodukte und noch mehr für Hering u. a. Für neue Produkte damals wie Maggi und Pfefferminz steht er mit anderen Händlern in Brakel in der Zeitung. Im Krieg 1914 war er mit der Verteilung von besonderen Lebensmitteln betraut.
In der Würdigung zum 75. Geburtstag 1933 heißt es „… und hat sich durch seinen geraden Charakter und andere vorbildliche Eigenschaften die Achtung seiner Mitbürger gesichert“. Das Geschäft führte er mit seiner Frau Ida bis zum Wegzug aus Brakel. Er war außerdem für Jahrzehnte Gemeindevorsteher der Synagogengemeinde Brakel.
Das bittere Ende der jüdischen Familie Sommer ließ 1933 nicht lange auf sich warten. In Zeitungsanzeigen heißt es
- 1935 (am 01.04.): Große Wohnung durch August Sommer zu vermieten
- 1938 (am 02.11.): Verkauf Gartengrundstück Nordmauer an Erbhofbauer Reineke, Königstraße
- 1938 Pogromnacht am 9. November: Meldung über Fensterscheiben-Schaden im Geschäft Sommer
- 1939 (am 17.11.): Verkauf der Hausbesitzung (mit Hof und Garten) von August Sommer durch Auktionator Gehle
- 1940 (am 21.08): Hausverkauf des Wohnhauses nebst Hofraum und Garten von August Sommer durch Auktionator Gehle
Über das Leben der beiden Söhne informiert die Liste jüdischer Geburten
- Ernst Sommer (30.04.1892 – 14.11.1914, gefallen in Frankreich)
- Otto Sommer (10.08.1895 – 1972)
Schüler KWG Höxter, Dr med., im Ersten Weltkrieg als Arzt im Lazarett München, dann Arzt im Rheinland bis mindestens 1933. Dann „Früh emigriert“ in die USA.
Über das Schicksal der Eltern August und Ida Sommer informiert die bei Sohn Otto eingetragene Bemerkung in der Liste jüdischen Geburten in Brakel:
Sohn Otto ist früh emigriert in die USA, wo er als Arzt arbeitet. Mutter Ida ist im jüdischen Altersheim Berlin gestorben (mit Ehemann?). In einem Hinweis an anderer Stelle hießt es: Das Ehepaar Sommer ist im Holocaust umgekommen.
An den Gedenkorten Jüdischer Friedhof und Stolpersteine gibt es keine Einträge zum Namen Sommer (Stand 2025).
Literatur
- Liste Jüdischer Geburten 1874-1945. PDF-Datei
- „Brakel. 75 Jahre Mitbürger August Sommer“, Artikel im Brakeler Anzeiger v. 24.04.1933
- Einträge in der Webseite Geneanet: Familiendatenbank Juden im Deutschen Reich (Stand 2025)
