Haus Menne-Apen, eine interessante Hofgeschichte
In der unteren Ostheimer Straße, gegenüber dem Altenheim St. Antonius befindet sich ein ansehnlichen langestrecktes zweistöckiges Gebäude, das früher ein großer landwirtschaftlicher Hof und eine Gastwirtschaft war. Im Zuge der Modernisierung um 1980 kamen Unterlagen zum Vorschein, die eine interessante Hofgeschichte anzeigen. Sie wurden von Prof. Heinz Hoffmeister, dem damaligen Stadtheimatpfleger transkribiert und umfangreich als Manuskript zusammengestellt. Sie sind im Stadtarchiv im Nachlass Johann Junker (einer Ordnersammlung mit fremden und eigenen Beiträgen) als Kopien zugänglich. Enthalten sind Verträge Güterübertragung, Schichtung,, Nachlässe und einige Briefabschriften zur Familie.
Der Bau
Das Gebäude wurde nach dem großen Brand der unteren Ostheimer Straße um1846 erbaut als massives Traufenhaus mit 10 Achsen und 4 Achsen Tiefe. Eine Querdeele war als Durchfahrt vorhanden. Die Maße zeigen 1.900 qm Grundfläche, das Haus umfasst ca. 18 x 15 m, sowie die Scheune 20×12,50 m.
Die freie Stirnseite zeigt eine zweiläufige Freitreppe und ein farbiges Gesimsband zur Straße Südmauer. Als stadtbildprägendes Gebäude wurde es 1984 unter Denkmalschutz gestellt. – Die Stirnseite mit dem Vorhof grenzt an die Südmauer, an der die Mühle Ahrens liegt. Für die Pferde war eine Tränke an der Burcht auf der anderen Seite der Ostheimer Straße. Insofern war die Lage am Eingangstor zur Stadt und markanter Ort.
Zur Hof- und Familiengeschichte
Von Interesse sind hier folgende Daten
- Bereits in den Familienregistern 1654 und 1664 (Kirchenbuch) um 1660 ist ein Henrich Menne mit Frau Frieka Maneken und 6 Kindern angegeben. Henrich Menne ist 1642 im Bürgerbuch aufgenommen. Vgl. Freundl. Auskunft von Eduard Hoffmeister 2026, der auch die die weiteren Einträge der Kirchenbücher zu den Personen ermittelt hat!
- Die Bewohner bei der Volkszählung 1843: Im Haus wohnen 8 Personen: Menne, Franz (34 J.) und Frau (24), Eltern Conrad (73) und Frau (68) sowie 2 Knechte (22, 23 J.) und 2 Mägde (17, 28 J.)
- 1845 Konrad Menne und Sohn Franz Menne erbauen das große Haus, Osth. Str. 34. Hofübergabe mit ausführlichem Verzeichnis an Franz Menne
- 1852: Mit Isak Archenhold (Lichtenau) Kauf des Hofgutes Bülheim, ca. 250 ha. Aus der Konkursmasse erhält er später ca. 550 Rthl. .
- 1869 Witwe Gertrud Menne geb. Heinemann heiratet Werner Apen aus Paderborn
- 1909 Werner Apen verkauft das Land gegen den Willen der Kinder. Umbau zum Mietshaus. Löschung als Landgut.
- Mehrere Anzeigen ab Aug. 1909 informieren den Verkauf von Vieh, Inventar, Hof und Flächen über den Auktionator Gehle. Vieh und Ausstattung zeigen einen modernen Betrieb mit Schwerpunkt Saatgutwirtschaft. – Im Jan. 1917 verkaufen die „Erben Apen“, vertreten durch Gutsbesitzer Schulte-Alpmann, Scharmede, den Hof als Ganzes, nachdem der der Arzt Dr. Umenhof in der Nachbarschaft sein eigenes Haus bezieht.
- 1912 Der in Paderborn verstorbene und Mitglied der Bruderschaft Pactum Liborianum Konrad Apen aus Brakel vermacht der Stadt 1.500 Mark vorwiegend für die Ausstattung der Kapuzinerkirche. Der Betrag entsprach etwa dem Jahresgehalt eines Arbeiters.
(Quelle: Koberg-Bericht 1914, S. 39 Kirchenwesen) - Straßenverzeichnis 1921: Als Bezeichnung wird Apen/Dr. Karl Umenhof, Arzt, verwendet. Dieser baut um 1925 die Villa Am Bahndamm 2.
- Um 1980: Kauf und grundlegende Renovierung durch Fabrikant Archibald Schulze-Cleven
Die Familie Menne taucht bereits in den Brakeler Kirchenbüchern ab dem 17. Jh. durchgehend auf. Mitglieder der Familie waren Hofbesitz, Ackerbürger und hatten Ratsämter inne. Dieser Familienzweig Menne wirft Fragen auf, da Konrad aus Pömbsen stammt und wohl der Weg über die Ehefrau Maria Becker 1801 nach Brakel führt. Die Herkunft des umfangreichen Besitzes ist ungeklärt.
Die Liste der Grundstücke des Hofes Menne-Apen (1845)
Es sind 58 Flurstücke verzeichnet, das größte Stück (Wald im Veringsgrund, Kettental bei Hainhausen) umfasst 3,6 Hektar. Dazu kommen 4 Gärten und 4 Grünlandflächen. Die mittlere Größe liegt bei 1 Morgen. In Summe sind es 118 Morgen, 1,36 Ruthen und 25 Fuß.
Die Flächen sind zu verorten in ganz Brakel: vom Heineberg bis zu Driburger Straße, von den Bruchtwiesen bis ins Königsfeld.
Hier die Personen der Familie, ergänzt mit Kirchenbuch-Einträgen (Hinweis: nicht ganz vollständig)
Familie Menne
1. Konrad Menne ( – ), aus Pömbsen. Gutsbesitzer, Schankwirt
oo 1801 Maria geb. Becker ( – ) aus Brakel
Kinder (5): Friedrich (1802-86, 84 J.), später Pfarrer in Willebadessen; Angela (1805); Franz (1907, s. unten); Ferdinande; Maria
1.3. Franz Menne (22.01.1907–20.02.1868, 61 Jahre), Ackerbürger, Gastwirt, Gutsbesitzer
Drei Ehen
1. Theresia Giev(f)ers (1821–1850, 29 Jahre),
oo (Ort Jahr?)
Sohn Ferdinand (1848-50, 2 Jahre)
2. Theresia Brockmann ( – ), aus Steinheim
oo (1851 in Steinheim). Eintrag im Kirchenbuch Brakel.
Sohn Friedrich (1853-53, 0 J.)
3. Gertrud Heinemann (1832-30.09.1871, 39 Jahre) aus Bad Driburg,
oo 21.04.1855 Heirat in Driburg. Mit Eintrag im Kirchenbuch Brakel
Eltern: Joseph Heinemann, Driburg, Ackermann u. Müller und Elisabeth geb. Koch in Driburg.
Kinder aus der Ehe mit Gertud Heinemann
1.3.1. Maria Louise (21.02.1856)
1.3.2 Friedrich (06.04.1859-1870, 11 Jahre)
1.3.3 Anna Josefina (15.04.1861- )
1.3.4 Ferdinandina (1866- ) und ein weiteres ?
Familie Apen
2.1 Gertrud Menne geb. Heinemann (1832-30.09.1871, 39 Jahre)
oo 09.02.1869 Werner Apen (18.04.1829-26.03.1914, 74 Jahre), Ökonom aus Paderborn
Vater: Bernard Apen, Bäcker in Paderborn
Kinder aus der Ehe Apen-Menne (-Heinemann)
2.1.3 Theresa Gertrud (25.02.1870-14.07.1896, 17 Jahre)
2.1.3 Conrad (15.09.1871 in Brakel-1912 in Paderborn, 41 J.), Mitglied (und Rentner) im Pactum Liborianum Paderborn. Vermacht der Stadt Brakel 1.500 Mark für die Kapuzinerkirche.
Zur zweiten Familie des Werner Apen, der nach Salzkotten zieht
Werner Apen (18.04.1829-26.03.1914), Ökonom aus Paderborn
oo (am 27.11.1973 in Salzkotten) Anna Apen geb. Jürgens (05.03.1840-14.08.1917, 67 Jahre)
Sechs Kinder 1874-184
1 Georg Arnold (21.11.1874-1945, 71 Jahre)
1898 Priesterweihe, zuletzt Pfarrer in Willebadessen
2 Anna Maria Gertrud (02.07.1876- )
3 Anna Gertrud (28.09.1878-14.07.1896, 15 Jahre)
4 Helena (15.01.1880- )
oo am 19.05.1908 ihn Scharmede mit Jos. Alpmann
5 Friederike (07.01. 1882-03.12.1884, 1 J.)
6 Maria Antonis Friederika (13.06.1884- )
