Hexenverfolgung in Brakel
In der instabilen Zeit des Dreißigjährigen Krieges, sowie davor und danach, kam es auch in Westfalen zur Hexenverfolgung. Die Brakeler Szene ist teilweise sehr gut dokumentiert durch aufregende Prozesse, an denen sich auch die Kapuziner beteiligt waren. In deren Annalen ist ausführlich berichtet. Brakel war wohl auch Beispiel für andere Städte. Bereits um 1600 ging die erste Welle der Verfolgung durch das Hochstift, wobei sich Bischof Dietrich von Fürstenberg, Fürstbischof 1585-1818. Das Hochstift blieb eine Hochburg der Verfolgung, im Raum Büren gab es besonders viele Hinrichtungen (insgesamt 202).
Ursachen der unmenschlichen Verfolgungen waren Aberglaube, der Zusammenhang mit Missernten und Gruppenzugehörigkeit (Religion).
In den Jahren 1654-56 gab es in Brakel die Aufsehen erregende Prozesse.
Die „alte Maneken“ verführte mehrere junge Mädchen in eine Scheinwelt, bis sie tobten, Anfälle bekamen und sich auffällig verhielten. So ist es überliefert. Sie schrien auch Namen von Personen, die er Zauberei und dem Hexenwahl huldigten. Zahlreiche Bürger kamen in Schwierigkeiten und hatten Mühe, sich davon zu befreien. Die Kapuziner wurden auch Zielscheibe und tätlich angegriffen.
Der Fall Trine Möhring, einer Magd im Haushalt des evangelischen Bürgermeisters Möhring, wurde mehrfach verhandelt. Der Glaubenszwist zwischen katholisch und evangelisch spielte auch eine Rolle, die Stadtgesellschaft wurde neu aufgemischt. Der Jesuit Pater Löper in Paderborn bildete die kirchliche Gerichtsbarkeit, die der weltlichen voran geschaltet war. Diese Aufgabe erfüllt sie mit Bravour und immer neuen Wendungen, sie waren beteiligt an der Teufelsaustreibung und dem Exorzismus beteiligten. Dabei war mit Graf von Spee (1591-1635), ein Kritiker der Hexenprozesse, mehrere Jahre in Paderborn Domprediger, aber nur mäßig erfolgreich gegen den Volkswahn.
In Brakel wurden nach dem Historiker Rainer Decker schließlich 15 Menschen getötet durch Verbrennung oder Enthauptung auf dem Galgenberg: 11 Frauen und 3 Männer. Die Vorwürfe waren abenteuerlich, voller Aberglauben und die Methoden der Urteilsfindung ebenso. Mehrere Personen wurden als „Simulanten“ entlarvt und davon gejagt. Die Geistlichkeit und die Justiz waren total aus der Spur. Ein beschämendes Kapitel der Geschichte.
Auch ein Hermann Göhausen aus Brakel (1593-1631) spielte eine als Jurist in Rinteln eine wichtige Rolle. Katharina Cothman, geb. Göhausen aus Brakel und Schwester des Hermann Göhausen, war die Mutter des berüchtigten „Hexenbürgermeister von Lemgo“. Dieser brachte seine eigene Mutter 1854 auf den Scheiterhaufen.
Literatur (Auswahl)
- Decker, Rainer (2011): Trine Möhring – Brakel … In: Die Warte Nr. 149 u. a. Veröffentlichungen zum Hexenunwesen im Hochstift
- Ewald Ruprecht (1925): Geschichte der Stadt Brakel widmet diesem Punkt 15 Seiten
- Müller, Georg (1979): Das Hexenunwesen 1655-1658. In. Brakel 829-1229- 1979. , S. 166-174
