Information Fa. Weiler, Heineberg, Flechtheim AG
Die Firma Weiler-Heineberg-Flechtheim AG (in heutiger Schreibweise) ist ein großes Landhandelsunternehmen aus Brakel, das in der Region (Nachbarstädte und Norddeutschland) bekannt ist. Der Eisenbahnanschluss in Brakel von 1864 war Voraussetzung für die Entwicklung des Produktenhandels.
Die Höxtersche Zeitung (1921-45) bringt folgende Informationen über das Unternehmen:
- vom 21. August 1923
Eintrag ins Handelsregister: Gründung einer Zweigniederlassung im Höxter beim Güterbahnhof.
Das Grundkapital beträgt 10 Mio. Mark. Der Vorstand besteht aus den Kaufleuten Hermann Weiler, Fritz Weiler, Hugo Heineberg und Richard Flechtheim. Dem Kaufmann Richard Olesch wird Prokura erteilt. – Gesellschaftervertrag vom 23. Dezember 1922. Gegenstand des Unternehmens: Handel mit inländischen und ausländischen Handelsprodukten und Lebensmitteln. Ergänzung MK: Die Firma bestand bis 1930. - vom 18. Februar 1927
Die Chemische Fabrik Henkel & Bärtling AG, hier [Warburger Straße], ist durch den Kauf in den Besitz der Firma Weiler, Heineberg, Flechtheim AG übergegangen. Wie wir hören, beabsichtigt die gen. Firma demnächst ihren Betrieb dorthin zu verlegen und zu vergrößern , um auch Versuchsfelder für Klee- und Grasansaaten anzulegen. - vom 20. Dezember 1934
Aus dem Gerichtsaal: 18.500 RM wegen Steuerhinterziehung
Bei einer Steuerrevision seitens des Finanzamtes wurden Verfehlungen aufgedeckt bei der Fa. Weiler, Heineberg u. Flechtheim AG in Brakel. Den drei angeklagten Direktoren der Firma wird vorgeworfen, den Hauptangeklagten L, Fr. und W. bei der Steuerhinterziehung Vorschub geleistet zu haben. Die Beschuldigten erhalten eine Geldstrafe von 2.000 RM (L.) , von 1.500 RM (Fr.) und von 10.000 RM (W.). - vom 13. Mai 1936
Wieder eine jüdische Firma in arischem Besitz.
Vor kurzem ist das jüdische Unternehmen Weiler, Heineberg, Flechtheim AG Brakel von der Westphälischen Central-Genossenschaft für den Ein- und Verkauf landwirtschaftlicher Bedarfsartikel und Wirtschaftserzeugnisse eGmbH in Münster (West.) aufgekauft worden. Die Westphälische Central-Genossenschaft, die das Einkaufs-Zentralinstitut für unsere sämtlichen Bauergenossenschaften in der Provinz darstellt, hat also auch auf diesem Gebiete wieder einmal unter Beweis gestellt, daß sie im Sinne einer Vereinigung unseres landwirtschaftlichen Wirtschaftslebens einen machtvollen Faktor auf nationalsozialistischer Grundlage darstellt. Der Betrieb des Unternehmens wird zum Wohle der heimischen Landwirtschaft durch das Kornhaus Brakel (Filiale des Kornhauses Eissen GmbH […] weiter geführt werden.
– Wichtiger Hinweis: Was hier im Sprachgebrauch der NS als „Aufkauf, Erwerb im Rahmen der Arisierung“ steht, kann auch von Rechtswillkür, Enteignung für die öffentliche Hand und nicht angemessener Preisgestaltung verbunden sein! –
