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Juden in den Ortschaften Brakels

Das Hochstift Paderborn war über Jahrhunderte Siedlungsraum von relativ zahlreichen Schutzjuden, die die Fürstbischofe ins Land geholt hatten. In vielen Städten bildeten sich kleine bedeutende Zentren heraus, Warburg war Sitz des Landes-Rabbiners von Westfalen. Brakel bildete 1847 mit Erkeln und Riesel einen eigenen Gemeindebezirk. Die Gemeinde hatten eine Synagoge mit Schule und einen eigenen Friedhof in Brakel.

Mit der Judenemanzipation von 1806, eingeführt in der Franzosenzeit des Königreichs Westfalen, wurden Juden Bürgern gleichgestellt mit allen Rechten und Pflichten. Sie bekamen bürgerliche Nachnamen 1812. Für ihre gemeindliche Organisation hatten sie weiterhin gewisse Sonderrechte. Für die Preußen als die neuen Herren der neuen Provinz Westfalen ab 1814 war die komplette Gleichstellung nicht erwünscht. Es wurden mehrfach Beschränkungen aufgebaut und erst 1847 kam ein freiheitlicheres Judengesetz, das den Juden auch den Zugang zu gewissen Staatsämtern ermöglichte.

In unserem Raum sind Borgholz, Bruchhausen und Pömbsen traditionelle Zentren von Landjuden. Die Juden spielten eine wichtige Rolle als Höker, als Kleinkaufleute mit Warenkorb, zogen viele über die Dörfer.

Die Ortschaften im Einzelnen

Bellersen

Bellersen ist ist der Ort der Novelle Die Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff von 1842. Das 2023 eröffnete Haus Krus beherbergt eine Ausstellung, die sich mit dem Leben und Werk der Schriftstellerin sowie den historischen Hintergründen der Novelle beschäftigt. Bellersen wird in der Judenbuche als das „Dorf B.“ dargestellt. Die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse zwischen Gutsherrschaft und eigener Moral sind sehr interessant.

Bökendorf

Bökendorf spielt eine bedeutende Rolle für die Entstehung der Novelle Die Judenbuche. Annette von Droste-Hülshoffs Mutter ist eine geborene von Haxthausen und mit dem Schloss Bökerhof verbunden, dem Familiensitz derer von Haxthausen. Dort traf sich der Bökendorfer Romantikerkreis mit Wilhelm Grimm und anderen.

Die Novelle selbst basiert auf einer wahren Begebenheit, die sich in der Umgebung von Bellersen ereignete. In Bökendorf wird das Erbe bewahrt durch Führungen zu den markanten Orten und Veröffentlichungen. Auch die Freilichtbühne war 1964-1997 viermal Darstellungsort der Geschichte, 2025 dann mit einem sechsfachen Indoor-Aufführung in der Aula der Gesamtschule Brakel mit 20 statt 5 Akteuren.

Erkeln

In der „Judenliste“ 1812 mit der Festsetzung des Familiennamens ist zweimal ein „Katz“ genannt. Der Name weist wie „Cohn“ auf eine alte Stammeszugehörigkeit hin. Die Zahl der Juden um 1850 beläuft sich auf 15 Personen, die Kinder wohl nicht einrechnet. Denn die Familien Scheideberg und Königheim waren sehr kinderreich. Weitere Familien waren Hakesberg und Katz. Sie sind als Färber, Schlachter, Viehhändler oder Inhaber von Manufakturwaren-Geschäften bekannt. Auch als Landeigentümer mit Hofstelle.

1890 vermacht die Witwe von Salmon Katz (1811-1888) einen Geldbetrag von 12.000 Goldmark an die Gemeinde Erkeln zur Verwendung für Bedürftige. Der aus Erkeln ausgewanderte Salomon Katz hatte durch Sprit-Spekulation in den USA ein Vermögen erlangt. Die Stiftung ist nach der Tochter, eine verheiratete Kieneke, in den USA bezeichnet

Frohnhausen

Frohnhausen ist eine Landgemeinde mit reger jüdischer Bevölkerung. Das Gemeindelexikon von 1885 nennt 15 Personen. Diese Zahl galt für eine lange Zeit. Das nahe Borgholz war lange das Zentrum der umliegenden Dörfer. Die Familien Jacobi und Löwenstein führten ein Kolonialwarengeschäft und eine gut besuchte Gastwirtschaft. Es kam zu Verwüstungen beim Novemberpogrom 1938. Eine Gedenktafel am Alten Schulweg erinnert die ehemalige Gastwirtschaft in jüdischer Hand bis 1938.

Gehrden

Über die Anwesenheit von Juden und ihre Rolle ist sehr wenig bekannt. Es existiert die Bild-Dokumentation UMBRA von Hubertus Bordfeld von 2012, die Orte in der Umgebung zeigt.

Riesel

In Riesel lebten zeitweise bis etwa 10 Personen. Sie waren im lokalen Handel aktiv und zogen vor 1900 in andere Orte.

Schmechten

In Schmechten gab es einige Juden, laut Gemeindelexikon von 1885 waren es 6 Personen. Näheres ist nicht bekannt. – Der Verkauf des alten Hofes Waldeyer 1865 (60 ha) wurde von Familie Flechtheim aus Brakel durchgeführt. – Willi Nahen übergibt dem Stadtmuseum Brakel Skizzen für die Bemalung der Synagoge, die der Kunst- und Kirchenmaler Anton Winkelhagen aus Bergheim gestaltet hat. Willi Nahens Vater war als Maler bei den Arbeiten beteiligt. Nachricht auf Brakel.de vom 13. Febr. 2019.

Hinweis auf Ortsartikel des Kreises Höxter im Buch 2021

Vgl. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold. Hg. von Karl Hengst in Zusammenarbeit mit Ursula Olschewski. 2021

Bad Driburg + 2: Dringenberg, Pömbsen
Beverungen + 2: Amelunxen, Herstelle
Borgentreich: +6: Borgholz, Bühne, Großeneder, Körbecke, Natzungen, Rösebeck
Brakel: + Gehrden
Höxter: + 7: Albaxen, Bruchhausen, Fürstenau, Lüchtringen, Ottbergen, Ovenhausen, Stahle
Marienmünster (2): Bredenborn, Vörden
Nieheim
Steinheim
Warburg: + 5: Daseburg, Herlinghausen, Hohenwepel, Ossendorf, Rimbeck
Willebadessen: + 2 Peckelsheim, Gehrden (heute zu Brakel)

Neben den 10 Städten sind es weitere 15 Orte mit eigenen Synagogen von Juden im Kreis Höxter. Das sind bemerkenswerte Zahlen für die hohe Präsenz, die bei einem Bevölkerungsanteil von 2,5 % bildete.