Das Judenhaus Am Markt 5

Das Haus Rothenberg, heute Haus des Gastes, Am Markt 5, spielt eine besondere Rolle bei der Erinnerung an die jüdische Zeit in Brakel. Die Themen können hier nur angerissen werden und müssen konkreter unterfüttert werden. Das ist die Sache von Fachleuten und der Stadt Brakel selbst.

a) Hausbeschreibung
b) Die Bewohner und Nutzung
c) als Judenhaus in der Zeit der Verfolgung und Deportation
d) als Erinnerungsstätte

zu a)
Gebaut als Haus mit städtischen Aufgaben, war das Haus lange ein gehobenen Ackerbürgerhaus, verbunden mit den Namen von Patrizierfamilien. Das Hinterhaus wurde um 1800 angefügt und damit war es ein großes Wohn- und Geschäftshaus entstanden. 1893 kam es in jüdischen Besitz und zwei Generationen Rothenberg führten ein Manufaktur- und Modegeschäft. Eine Markise auf der Zeit des Jugendstils erinnert im heutigen Trauzimmer an diese Vergangenheit.

zu b)
Die Familie Rothenberg, das waren zuletzt Max Nathan (geb. 1876), Ehefrau Rika (geb. 1880), Tochter Margarete (geb. 1907), Tochter Herta (geb. 1909, Sohn Werner (geb. 1912). Bis auf Sohn Werner, der nach Israel emigrierte, sind alles umgekommen im Holocaust. Das Haus, das vorher zum Spottpreis konfisziert und der Stadt zur Nutzung übergeben wurde. Nach dem Krieg wurde es zurückgegeben und als Wohnhaus genutzt für Mieter. Erst um 1980 gelang eine Einigung mit den alten Eigentümern (Werner Rothenberg und Hugo Kleinstraß aus Bredenborn, Schwager aus Bredenborn) zum Verkauf an die Stadt. Der Umbau zum städtischen Haus des Gastes erfolgte in den Jahren 1981-1983.

zu c)
Das Haus am Markt 5 war ab 1939 nicht nur Wohnhaus der Familie Rothenberg, sondern es wurde als „Judenhaus“ Ort für ca. 35 Personen (vgl. Handbuch der Jüd. Gemeinschaften 2013). Weitere jüdische Personen waren im Vorderhaus der Synagoge in der Ostheimer Str. 14 untergebracht. Damit wurden die Juden auch in Brakel aus ihrem Nachbarschaftsumfeld herausgenommen und weitgehend isoliert von der übrigen Bevölkerung. Sie lebten in der zwangsweisen Unterkunft unter unwürdigen Verhältnissen teilweise drei Jahre, bis zu den Deportationen 1942/43. – Die „Arisierung“ der Geschäfte, Häuser und Grundstücke konnte somit relativ zügig erfolgen.

zu d)
Der Stadtrat mit der neuen Fraktion der „Grünen“ (ca. 1981) beschäftigte sich mit dem Thema Unterbringung der Juden und eine Erinnerungstafel sollte erstellt werden. Das ist bis heute nicht erfolgt und wird nicht weiter kommuniziert.

Literatur
– Heft über den Umbau und 1988 in Reihe Historische Bauten
– Buch Engemann/Ernst 1988, Nationalsozialistische Verfolgung . .
– Beitrag Engemann im Kreisjahrbuch (1989) über den Briefnachlass Robert Dalberg (Im Haus beim Umbau in einer Mappe gefunden)