Jüdische Bewohner in der Liste 1843

Im Stadtarchiv Brakel gibt es eine Mappe über die Volkszählung 1843. Hier sind neben Wohnort, Namen und Beruf auch das Alter und die im Haushalt lebenden Personen aufgelistet.

Unter den 2.800 Bewohnern (einschließlich Bredenviertel) sind ca. 175 Personen jüdischen Glaubens. Sie verteilen sich auf 24 Haushalte (meist Häuser). Ein Kantor (Lilienthal) und Lehrer (Bibo) sind auch schon vorhanden, die ja in der neuen Synagoge (1843) und dem Schulgebäude davor in der Ostheimer Straße 14 tätig sind.

Die Zahl von ca. 170 Personen jüdischen Glaubens ist in Brakel bis in die 1880-er Jahr zu finden. Im Vorgriff auf die neuen Judengesetze der Preußen (1847) wird in der Liste nach Staatsbürgerschaft oder einfacher bürgerlichen Rechten gefragt. Dies ist nicht angegeben, denn sie spielte auch später keine Rolle.

Der Name Flechtheim, Sudheim, Ostheim ist je zweifach vertreten. Die weiteren Namen sind:
Fernheim, Hakesberg, Heineberg, Lilienthal, Löwenbaum, Meyer, Northeim, Rothenberg, , Salberg, Stern, Weiler und andere

Als Berufe sind neben Kaufleuten auch Metzger (2), Schankwirt und Ackermann* vertreten. Ein David Sudheim ist Besitzer (oder Pächter) der Mittelmühle in der Königstraße 22, die später unter dem Namen Priggert bis in die 1950er Jahre betrieben wird. Die Familien sind durchaus kinderreich (bis acht Kinder). Diese tragen meist deutsche Vornamen, währende die Elterngeneration vielfach alte jüdische Vornamen trägt.

In den meisten Haushalte sind (meist katholische) Mägde und Knechte beschäftigt, die wohl auch über den Haushalt hinaus berufliche Tätigkeiten für den Hausherrn ausüben.

Die Wohnorte/Häuser befinden sich in der Ostheimer Straße (7 mal), Am Markt (3), Am Thy (2) sowie Antoniusstraße, Henzengasse, Burgstraße u. a. Die Zuordnung der alten Haunummern ist über das Straßenverzeichnis von 1921 möglich.

Weitere Nachforschungen über diese Zeit wären wünschenswert.    

*Hinweis zum Beruf „Ackermann“ (Naphthaly Northeim, Haus Nr. 252, Ostheimer Str. 4). Dass Juden landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften, kommt eher selten vor. Die junge Familie beschäftigt drei Angestellte. Der Name Nordheim taucht auch auf, als es um einen neuen Platz für den jüdischen Friedhof geht (um 1850).