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Kreistreffen der NS-Partei in Brakel (Kreis-Apell) am 6. Juni 1937 in Brakel – Vorberichte

Mit großer Aufmachung, monatelanger Vorbereitung, hunderte von Hakenkreuzfahnen in der Stadt: eine Großkundgebung und Machtdemonstration mit interner Arbeitstagung:  „Die Bewegung marschiert in feste Geschlossenheit“ und Bericht aus den Organisationen: Die Feier der Erfolge vier Jahre NS-Herrschaft.

Das NS-Volksblatt (f. d. Kreis Höxter) berichtet ausführlich und seitenweise am 06.06.1937 und im Bericht vom 7.06.1937 über das Ereignis. .

Die Vorstellung der Nethestadt Brakel kommt als erster Beitrag und ist ein Parforceritt durch 1100 Jahre Stadtgeschichte mit Glanzzeiten und Zeiten des Niedergangs. Nicht zu kurz kommen die Erfolge der vier Jahre NS-Herrschaft 1933-37. Solche sind einige Siedlungsbau-Projekte und Schaffung von Arbeitsplätzen in Firmen. 275 Volksgenossen fänden jetzt Arbeit in den neuen Werken Sperrholzfabrik (Fa. Becker) und Holzverwertung (später Klammerfabrik) Das Haus der Jugend werde bald fertiggestellt (Straße „Heilige Seele“). In einem Grußwort der Stadt heißt es, die Stadt begleitet die Bewegung mit Sympathie und der vorhandene Aufschwung sei dem Führer und Reichskanzler zu verdanken.     

Das Tagesprogramm hatte als Höhepunkt den Marschappell von der Stadthalle mit dem Zug in die Stadt und zurück. In der Stadt Konzerte an mehreren Orten. Zum Abschluss ein heiterer Abend mit Künstlern in der Stadthalle. Dazwischen die ernsten Arbeitstagungen der Verbände und Organisationen der Partei auf Kreisebene, zu der wohl alle (einige hundert) Funktionsträger erschienen sind. Das Parteinetz war umfangreich, eng verflochten und alle Ämter sorgfältig besetzt.

Die weiteren Beträge betreffen:
  • Aus der Arbeit der Kreisleitung
    Kreisleiter Dr. Trost schildert die räumliche Gliederung und der Aufbaus seines Dienststelle mit hauptamtlichen Mitarbeitern. Bauförderung, Ehestandsdarlehn u. a. Hilfestellung wurden abgewickelt. Die Parteimitgliedschaft war ein aufwändiger Verwaltungsakt nach der Mitgliedssperre. Wer eine Nummer unter den ersten 100.000 hatte einen großen Bonus. Das NS-Büro befand sich in einem angemieteten Haus in zentraler Lage in Bad Driburg und dann in Höxter und war mit 5-12 Personen besetzt.
    Hinweis: Die zahlreichen Zuständigkeiten des Kreisleiters betrafen den Kreis, die der Ortsgruppenleiter die Ebene der Kommune. Diese stand in Konkurrenz mit den staatlichen Behörden.
  • DAF – Dt. Arbeitsfront, die Front der schaffenden Volksgenossen
    Die Gewerkschaften waren verboten und die Bildung einer Gemeinschaftsfront alle Mitarbeiter war das Ziel. Alle Betriebe werden besichtigt, soziale Fragen und Aufenthaltsräume begutachtet, heißt es. Die herbeigeholten Reichsredner hätten großen Erfolg erzielt und 11.000 Mitglieder geworben. Ziel sie die Bildung von eigenen, echten Gemeinschaften.  
  • NSV NS-Volkswohlfahrt, der Kampf für des Volkes Wohlfahrt
    Das Winterhilfswerk als Aushängeschild d3er Volkswohlfahrt mit seinen vielen Helfern wird vorgestellt. Auch würden Familien mit Neugeborenen intensiv betreut. Bei Krankheit würden bezahlt Helferinnen einspringen. Dafür sorgten die 11 NS-Schwestern im Kreis, sie seien als Vorkämpferinnen rastlos, teils mit Motorrad, unterwegs und übernähmen auch Aufgaben der Erhaltung der Volksgesundheit,     
  • NSKK – NS-Kraftfahr-Korps, Entwicklung und Aufgaben
    Das Kraftfahr-Korps war eine echter Quotenbringer dieser Zeit. Die motorisierte Einheit sei 1930 gegründe5t worden und sei eine schlagkräftige und einsatzbereite Formation. Parteiveranstaltungen aller Art würden unterstützt und viel Nachwuchs käme aus der Hitlerjugend.  
  • NS-Frauenschaft – Deutsches Frauenwerk
    Die Frau als Hüterin und Erhalterin des deutschen Volkes: Die Frauenschaft sei das „große stille Heer Adolf Hitlers“. Fünf Abteilungen auf Kreisebene sorgten für die Botschaften in den Bereichen Presse, Schulung, Erziehung und Hauswirtschaft. Die Schulungen fänden reihum in allen Orten statt und Aspekt wie Luftschutz und Rotes Kreuz kommen dazu. Aus kleinsten Anfängen (12 Personen bei Gründung 1932 in Höxter) sei eine feste Organisation mit 35 Frauenschaften in den Orten entstanden.    
  • RAD – Reicharbeitsdienst in der Gruppe 161
    Arbeitsdienstführer Dr. Hecker berichtet: Der RAD wurde 1932 im Lager Hainhausen gegründet und umfasse mittlerweile 14 Lager für den Raum Hochstift mit Detmold und Lemgo. 1.300 Mann seinen im Einsatz für Strukturprojekte wie Entwässerung, Flurbereinigung mit Ödland-Kultivierung und Wegebau und Aufforstung. Der zweite Vierjahresplan sehe weitere Maßnahmen vornehmlich auf bestem Kulturland vor. Auch die Erziehungsarbeit am deutschen Menschen und seiner körperlichen Ertüchtigung würde nicht vernachlässigt.         
  • Der Reichnährstand
    Der Reichsnährstand sei eine starke Organisation, die mit Marktordnungen die Selbstversorgung sichergestellt habe und damit die Lebensgrundlage für das deutsche Volk bereit halte.

Diese sorgfältige Aufzählung dient der Vorstellung des NS-Machtgefüges und zielt auf die Verankerung der NS-Idee in der breiten Bevölkerung – auf dem Land., wie bei uns

Hinweis: Werbeanzeigen 1937

Den Vorberichten vom 06.06.1937 folgt eine Seite Anzeigenwerbung mit der Titelzeile „Ein herzliches Willkommen in Brakel“. Von den neun Anzeigen betreffen diese fünf die Stadt Brakel:

  • Kornhaus Brakel, Warburger Str. 21
    Hinweis; Das Kornhaus der Centralgenossenschaft bekam 1920 die Außenstelle an der Driburger Str. (bis 1965, dann zu Autohaus-Seibert). 1936 wurde das Gelände des jüdischen Landhandelsunternehmen Weiler-Heineberg-Flechtheim, die auf Druck des NS-Regimes verkaufen mussten. Neben dem Produktenhandel ist ein Raiffeisen-Markt am Standort.
  • Anton Meyer, Bauhandel und Haushaltsgeräte
    Hinweis; die Fa. Anton Meyer hatte ihren Stammsitz Ostheimer Str. 6. Sie hatte auf der Seite gegenüber einen Standort für landwirtschaftliche Geräte sowie eine Lagerhalle. Das Geschäft bestand bis in die 1960er Jahre
  • KartonagenFabrik Fabrikation von Faltschachteln, Versandkartons und Hersteller der bekannten „Kabra“-Holzstoffkisten mit Holzboden und Hohlboden. Die Schreibweise der Anzeige ist „Kartonnage“ (mit 2 n).
    Hinweis: Die Kartonagen- oder Klammerfabrik war eine Fabrik zu Holzverarbeitung. an der Warburger Straße, dem ersten Gewerbegebiet jenseits der Kernstadt. Die Fabrikation bestand von 1925 bis ca. 1960.
  • SperrholzFabrik Fritz Becker
    Gegründet und angesiedelt 1936 auf dem ehemaligen Gelände der 1928 eingegangenen Zuckerfabrik Brakel. Heute: „Fritz Becker KG – Formteile aus Holz und Vlies“
  • Gräflich von Mengersen’sche Brauerei Rheder
    In Rheder, Nethetalstr. 10. Die Brauerei wurde 1686 gegründet und wuchs zu einer großen regionalen Marke. Die Brauerei firmiert heute als „Schlossbrauerei Rheder“.