Männergesangverein 1868 Brakel

Der Männergesangverein ist einer der ältesten Vereine der Stadt. Er bereicherte umfangreich die Kultur durch das rege eigene und vielfach öffentliches Vereinsleben. Die Pflege des deutschen Liedguts ist ein starkes Motiv. Alle zehn Jahre (ab 1908) wurde ein Stiftungsfest gefeiert. Attraktiv für ein breites Publikum waren Theateraufführungen und Konzerte, zuletzt sind die Weihnachtskonzerte in der Kapuzinerkirche (bis 2013) und die Auftritte mit großen Ensembles um 1990 in der Stadthalle. Durch fehlenden Nachwuchs (und verstärkt durch Corona 2020-21) setzte der Rückgang ein, der 2022 zur Auflösung des Vereins führte.   

Die Festschrift von 1993 vermittelt viele Informationen über Verein und Geschichte.

1868 Gründung als Katholischer Männergesangverein Brakel, hervorgegangen aus der marianische Jünglingssodalität (kirchliche Vereinigung). Lehrer Feuerhoff wird Dirigent für die ersten 30 Jahre. Er war Lehrer und war begeistert von der neuen nationalen Bewegung. Im wurden zwei preußische Orden zuerkannt.

Im Ersten Weltkrieg ruhte das Vereinsleben und acht gefallene Sänger waren zu beklagen. Eine besondere Versammlung 1915 beschloss die konfessionelle Bindung nicht mehr auszudrücken und den neutralen Vereinsnamen einzuführen: Männergesangverein 1868 Brakel.  

In den 1920er Jahren erlebte der Verein mit 70 aktiven Sängern eine Blütezeit. Hinweis: Das Jahr 1929, der 1100-Jahrfeier vom 31. Mai bis zum 9. Juni 1929, findet der Männergesangverein keine namentliche Erwähnung. Es wird viermal ein Singspiel aufgeführt, an dem 125 Personen mitwirken. Der Dirigent des MGV, Josef Micus ist Autor und Spielleiter. Der musikalische Leiter ist Wilhelm Meinold. Auch bei den 20 Motivwagen ist der Männergesangverein nicht ausdrücklich beteiligt. – Nebenbei: Beim Stadtjubiläum 1979 (1150 Jahre Brakel) tritt ein VHS-Chor auf (Volkshochschule).   

In der NS-Zeit konnte der Verein wohl bestehen bleiben, die Chronik berichtet nur von der Benennung des Vorsitzenden als Vereinsführer. Im Zweiten Weltkrieg wurden Pakete für die Soldaten an der Front geschickt.

Ab den 1960er Jahren vergrößerte sich der Aktionsradius des Vereins, es entstanden Freundschaften zu anderen Vereinen, z. B. Köln, Kaufbeuren und Wetteren bzw. zum belgisches Nato-Bataillon in Brakel bis 1993. Der Militärgeistliche Piet Pieters (1938-2011) wurde Sänger im Verein.

Der Verein sang bei vielen kulturellen Anlässen der Stadt und der katholischen Kirche. Highlights waren die ‚Veranstaltung mit dem Golden Gate Quartett, dem Bielefelder Kinderchor und den Mainzer Hofsängern! Also Solisten wirkten bei Konzerte mit: Georg Tauern, Markus Krause, Rudy Giovannini, Svenja Paul, Franziska Roth, Johannes An u. a.

Um das 2000 erzielt der Verein Erfolge bei Pokalsing-Wettbewerben. Doch die Bereitschaft zum Zuhören ließ in der Öffentlichkeit merklich nach. Nur noch wenige Anlässe finden statt (Herbstkonzert und Weihnachtskonzert). Der Verein feiert jährliche Jubilarehrung im Hotel Kaiserbrunnen.

Vereinslokale waren lange Gasthof Tilly-Brechtken, dann die Gaststätte Tegetmeier.   

Zum 150-jährigen Bestehen wurde 2018 die große Jubiläumsfeier „Musik kennt keine Grenzen“ in der Stadthalle gefeiert. Nach dem Festgottesdienst am Vormittag folgten viele Grußworte am Nachmittag, darunter die CV-Vorsitzende Regina van Dinter. Acht Gastchöre und einige Solisten gestalteten das Programm. Für Johannes An (aus Kassel bzw. aus Korea) war es ein wiederholter Auftritt und große freundschaftliche Verbundenheit. Die gekonnte Moderation lag bei dem Sangesbruder Winfried Gawandtka.

2018 fand auch eine kleine Ausstellung in der Kreissparkasse Brakel statt mit Erinnerung an viele große und kleine Veranstaltungen. Eine alte Fahne von 1908, kunstvoll bestickt, wurde dem Stadtmuseum übergeben. Die Inschrift der Rückseite lautet: Cantate Domino et benedicte nomini Ejus. Ps 95.9 (Singet dem HERRN und lobet seinen Namen, … verkündet von Tag zu Tag sein Heil!)

2019 fand eine gelungen Kyffhäuserfahrt statt, die letzte von vielen Fahrten. sie führte zum Kyffhäuser-Denkmal und ins Panoramamuseum mit dem Panoramabild von Werner Tübke aus der Zeit der Reformation und Bauernkriege.

Prägende Personen für den Verein waren langjährige Dirigenten und Vereinsvorsitzende.

  • Als Dirigenten neben Lehrer Feuerhoff (s. o.), Josef Micus, Gottfried Rempe, Dirk Josten und Heinz Hermes.
  • Als Vorsitzende Wilhelm Vogt (Gründungsmitglied), Fritz Soddemann, Hermann Schünemann und Dieter Mus.

Zur Entwicklung des Chorwesens im Kreis und der Männergesangvereine hier wenige Daten. Der Sängerkreis Höxter-Warburg umfasst 64 Chören und 1.300 Aktive (2011). 2027 sind es noch 41 Chöre, davon 20 Männerchöre. Der Altersdurchschnitt hat die 70 über schritten, Nachwuchs ist gering bzw. nicht in Sicht. Mehrere Vereine beenden ihre Tätigkeit und lösen sich auf. .

Das Liederverzeichnis umfasste (2011) ca. 180 Lieder und 60 Weihnachtlieder.

Hinweis:
Über den zweiten Männergesangverein in Brakel, der MGV Eintracht Brakel (1904 gegründet, s. Eintrag Eintracht), verliert die Chronik kein Wort! Begegnungen oder Zusammenarbeit waren so gut wie nicht vorhanden, auch zum Ende nicht, als es um Fusion im Raum stand.

Literatur

Festschrift 1993: 125 Jahre MGV Brakel. 128 S, mit vielen
Werbeanzeigen Brakeler Unternehmen. Druckerei Schröder Brakel.

Internetseite, privat erstellt vom Josef Pape ca. 2005. Als Blog zu sehen unter:  mgv1868brakel@blogspot.com

Hinweis: Der Verfasser war selbst die letzten 15 Jahre Mitglied des MGV 1868 Brakel. Das war eine Zeit mit vielen schönen Erfahrungen und Einblicken – und Respekt vor den Leistungen organisatorisch und musikalisch.