Notgeld Brakel 1921/22

Im Zusammenhang mit der Katastrophe der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg gaben die meisten Städte Notgeldscheine heraus. So auch Brakel, hier im Wert von 50 Pfennig bis 2 Mark. Interessant sind jeweils die künstlerischen Motive der 10 Geldscheine, die im Buch wiedergegeben sind. 

Stadthistorische Motive sind auf diesen Scheinen im Vordergrund (teils mit Texten)

  • Mäken von Brakel
  • Annenkapelle
  • Rathaustafeln Ehrenprys und Obrigkeit in Ehren
  • Weihnachtswunsch
  • Schloss Hinnenburg
  • Kapuzinerkloster

Daneben gab es drei Scheine, die den Spott auf die Obrigkeit und Personengruppen zeigen:

  • Ein Ratsherr wird im Vorbeigehen mit Schmutz aus dem Fenster beworfen

Ein ritterlich gekleidete Ratsherr wird Opfer eines Unglücks (wohl in der Königstraße). Dazu der Spruch: „Ne beste Kamer hrr‘ wi nit / Dorüm dat Jüngsten ut dat Finster schitt. – Jedoch, o weh, ein Unglück gafst dorbi: / En Ratsmann gung akrat vorbi – De hätt das Traktamente krumm genommen / Un ich sin an den Kaak gekommen.“ (Wahre Geschichte anno 1655). Weil es in mehreren Häusern keinen gesonderten Abort gab, wurde früher wohl ein Teil der menschlichen Ausscheidungen einfach auf die Straße geworfen. Der Ratsherr war von dieser Behandlung nicht erbaut und der Verursacher kam an den Schandpfahl (Kaak). 

  • Der Schandpfahl (Rolandsäule) zeigt einen Schuldigen

Die Person am Schandpfahl mit der Kette um den Hals ist als Jude zu erkennen, wie sie in den üblichen Stereotypen dieser Zeit verwendet wird. Langer Mantel, Stiefel und Kopf deuten darauf hin. Antisemitismus begleitet auch die Geschichte Juden in der Region.

Gerade in den 1920-er Jahren wurden Karikaturen mit Stereotypen von Juden wieder salonfähig, kann man sagen. Es gab es in der Nachbarschaft von Brakel auch Schändungen von Friedhöfen in dieser Zeit.  

  • Wie früher man Diebe und Wucherer bestrafte: Die Wasserwippe und das Brett mit dem Schuldigen und dessen Züchtiger.

Über den Bild die Sprüche: „Solche Wippe, stark von Eisen / Taucht man kurzer Hand ins Wasser. – Auch für heute wär‘ sie praktisch / Für die Schieber, Wucherer, Prasser!“ Sowie: „Was der Einfalt nur erscheinet / Als ein Instrument zum Sitzen, – Dieses wussten kluge Richter / Pädagogisch auszunutzen.“ In Bezug auf die Tätergruppen kann man auch hier Antisemitismus erkennen, denn Geldgeschäfte waren eine angestammte wirtschaftliche Tätigkeit der Juden.

Hinweis: Die Konnotation zu Judenmotiven der Zeit ist im Begleittext im Buch nicht erwähnt. Wegsehen oder es als Folklore verstehen, es gab noch keine angemessene Erinnerungskultur.