Zur Rolle der Juden im Rahmen der Agrarreformen zur Bauernbefreiung
Ausgangslage
Die Agrarreformen Anfang des 19. Jh. betrafen die Ablösung der Lasten, Heuern und Dienstbarkeiten der Bauern durch Geldbeträge. Die Reformen brachten den Bauern die persönliche Freiheit, den eigenen Hof mit den Flächen und eine eigenständige Wirtschaft. Der Weg bis zur vollständigen finanziellen Ablösung war aber mit besonderen externen Belastungen verbunden, darunter Klimaextreme, Missernten und Preisekonjunktur der Agrarprodukte sowie der Wertverfall von Grund und Boden. Die Agrarkrisen wuchs zur einer Massenarmut von Ende des 18. Jh. bis in die Mitte der 19. Jh.
Die eigentliche Ablösung durch Geldzahlungen zog sich schließlich in die Länge hin, über Jahrzehnte. Besonders die jährlichen Abgaben an Staat und Grundherren drückten schwer, führten zu Zwangsversteigerungen und führten zur Not und Verschuldung der breiten Bevölkerung. Es gab regelrechte Hungersnöte und entsprechende Hilfseinrichtungen durch Stadt und Kirche.
Nach langen Diskussionen kam erst im Jahr 1836 die Paderborner Tilgungskasse ans Werk und half für geordnete Verhältnisse bei Finanzgeschäften der Bauern. Bei dem Weg dahin gab es offene Not auch bei den Bauern, von denen ja drei Viertel Kleinbauern waren, und nicht wenige waren mit mit hohen Schulden in Rückstand geraten. und mussten Land verkaufen. Es war die Zeit, in der auch jüdische Händler und Kaufleute neben den üblichen Kreditgeschäften durch Pfandgeschäfte, Landkauf und -verkauf eine wichtige Vermittlerrolle einnahmen. Dabei kamen sie selbst auch zu Landbesitz.
Die Rolle bei den Agrarreformen
1808 Bürgerrecht für Juden, 1812 Emanzipation
Das klassische Geschäft der Juden vor der Emanzipation war der Handel mit Getreide, Vieh und die Vergabe von Krediten. Handwerk und öffentliche Ämter waren ihnen nicht zugänglich, auch nicht der Erwerb von Land.
Der Schritt in die neue Selbständigkeit und persönliche Freiheit im Jahr 1808 brachte mit sich die Stellung als normale Bürger mit allen Rechten und Pflichten. Das bedeutete auch der Erwerb von Grundbesitz und neue Bildungswege mit neuen Berufen. Ihre Rolle muss ambivalent beurteilt werden, so wird gesagt. Einerseits waren sie unverzichtbare Partner in der ländlichen Ökonomie. Andrerseits wurden sie für die bäuerliche Verschuldung verantwortlich gemacht. Juden hatten selbst manche Ausgrenzung zu ertragen und waren trotz der Beschränkungen erfolgreich bei dem großen Transformationsprozess.
Sorge um Landkauf-Aktivitäten in Brakel
In Brakel erhielten 1808 zwölf Familien das Bürgerecht, das mit der Vergabe eines Familiennamens verbunden war. Bei der Bemessung des Bürgergeldes gab es unterschiedliche Sichtweisen. Das ist ein Vorgriff auf die neue Situation, bei der die nutzbare Landwirtschaftsfläche in neue Hände geht.
„Das Bürgergeld sollte zunächst auf 20 Reichstaler jährlich festgelegt werden, wird dann aber auf Vorschlag des Friedensrichters auf 10 Reichtaler für Erwachsene und 5 Reichstaler für ein Kind ermäßigt. – Damit ist der städtische Notar Rosenmeyer nicht so einverstanden. Er meint, es sei nicht unbillig, die teuren Summen zu zahlen, Zitat: ‚Wenn die hiesigen jüdischen Familien für das Bürgerrecht . . . dadurch in Hinsicht auf die hiesigen Waldungen und öffentlichen Weiden sich große Vorteile erkaufen, die sie vorher nicht hatten. Dazu muss ein Taler gezahlt werden, für das Kaufen und Pflanzen von Obstbäumen.’“ Zitat aus „Brakel 829-1979“, S. 270, Beitrag Engemann, Gesch. der jüd. Gemeinde.
Im Rahmen der Verschuldung weiter Teile der Landbevölkerung und auch wegen der Unkenntnis in Kreditgeschäften traten in der Zeit vor der endgültigen Ablösung der Lasten durch Rückzahlung wohl häufig Fälle ein, in denen das Land den Besitzer wechselte: Und das waren offenkundig vermehrt auch jüdische Käufer und Vermittler. Dieser Aspekt ist in der Fachliteratur nicht genannt oder herausgearbeitet.
In der Volkszählung Brakel 1843 sind 24 jüdische Haushalte aufgeführt, darunter 9 Kaufleute und diese 3 Mäckler: Meyer Nethe, Sander Steinberg und Moses Fernheim. Die Bezeichnung Mäckler/Makler gab es im 19. Jh. für die Vermittlung von Immobilien, Waren, Dienstleistungen.
Bestandteil der Wirtschaft und Beschränkungen für Juden
Verschuldung der Bauern
Juden waren schon lange Teil der ländlichen Ökonomie durch ihre Handelstätigkeit und gute Vernetzung. Der Vieh- und Landhandel lag praktisch in ihrer Hand. Durch ihre Kenntnis in Sachen Grundeigentum. Erwerb und Verkauf hatten sie Vorteile im Königreich Preußen, bei der auf die Verwaltung und Rechtsstaatlichkeit großen Wert gelegt wurde.
Mit der erfolgreichen Wirtschaftstätigkeit der Juden Anfang des 19. Jh. wird die Verarmung der Landbevölkerung in direkte Verbindung gebracht. Das mahnen Adlige. preußische Beamte bis zu, Oberpräsideten wiederholt an. Die Preußen reagieren mit immer neuen Verordnungen zur Beschränkung der Juden. Ursache und Auslöser waren die rigiden Agrarreformen der Preußen, der Mangel an Geld und die die jährlichen Forderungen der alten Grundherrn.
Viele Juden wurden Nutznießer durch Vergabe von Krediten. Oberpräsident von Vincke hatte die Regionen intensiv bereist und kam zu nüchternen Erkenntnis, wie dem Problem begegnet werden könnte. Er erwirkte einen Landtagsbeschluss 1826, ein Sonderedikt für das eh. Hochstift Paderborn, wonach der Erwerb von Grundbesitz usw. begrenzt werden sollte. Im Jahr 1827 folgte seine Denkschrift, in der er harte Maßnahmen gegen die Juden fordert. Alles das war wohl letztlich nur begrenzt wirksam und die Geschäfte der Juden mit der Landbevölkerung gingen weiter.
Im September 1836 wird die Kabinettsorder für die Kreise des Hochstifts Paderborn – d. h. für die Kreise Paderborn, Büren, Warburg, Höxter – erlassen: „Über die Verhältnisse der Juden“, die auf mehren Gutachten seit 1817 beruht. Danach wurden den Juden der Erwerb von Grundstücken verboten, wenn sie sie nicht selbst (oder mit jüdischen Gesinde) bewirtschaften konnten. Gegen diese Order gab es zahlreiche schriftlichen Proteste und Bedenken von den örtlichen Verwaltungen (der Landräte und Bürgermeistern). Erst 1847 trat das allgemeine und liberale Preußisches Judengesetz auch im Hochstift Paderborn in Kraft und damit die volle Gleichstellung.
Als 1848 die Kreissparkasse Höxter in Brakel gegründet wurde, standen dieser Einrichtung schwierige Zeiten bevor. Das Geldgeschäft lag immer noch weitgehend in der Hand von Juden, insbesondere auf dem Sektor Landwirtschaft. Erst nach 1871 brechen für die Sparkasse bessere Zeiten an.
Über das Verhältnis von Christen und Juden auf dem Land
In den Dörfern und Kleinstädten bestand zwangsläufig eine enge Nachbarschaft der Juden mit der Landbevölkerung. Sie waren traditionell als Kleinhandler, Hausierer, Vieh- und Agrarproduktenhandler unterwegs. Für die ländliche Wirtschaft vermittelten sie einen Warenaustausch zwischen Stadt und Land mit Dingen des täglichen Bedarfs und Kolonialwaren.
Die Juden bildeten darüber hinaus eine strenge eigene Gruppe, die sich von den Gepflogenheiten des Umfeldes unterschied. Erst nach und nach kam es zu einer Annäherung, abzulesen an der Art der jüdischen Gottesdienste und der Ausstattung der Synagogen.
„Der Jude muss kommen“
Der Spruch ist belegt für Körbecke (Wochenblatt 27/2025, Artikel Stolpersteine). Hier wird der Ruf auf den jüdischen Viehhändler bezogen. Tatsächlich waren die meisten Handelsjuden juristisch und finanziell versiert und behilflich bei rechtlichen Fragen, bei Mangel an Bargeld, Liquidität und Geldgeschäften allgemein. Sie waren wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil der ländlichen Ökonomie. Das Verhältnis ging so weit, dass viele Höfe einen „Hausjuden“ hatte, der sie beraten konnte in allen Fragen bis hin zu persönlichen Angelegenheit und zur Heiratsvermittlung.
Durch die jährlich fälligen Zahlungen an die ehemaligen Grundherren bis zur Ablösung der Höfe gelangten zahlreiche Bauern in die wirtschaftliche Schieflage und hatten kein Geld, z. B. zur Vorfinanzierung der kommenden Aussaat im Frühjahr. Auch bei notwendigen Anschaffungen und weiteren Verbesserungen waren viele Kleinbauern auf jüdische Kreditgeber bzw. Händler angewiesen. Bei den nicht selten vorkommenden Subhastationen (Zwangsversteigerungen) und dem Güterverkauf durch Aufteilung („Güterschlächterei“) waren vorwiegend die Juden tätig und präsent vor Ort, wie es in Chroniken und Zeitungsannoncen festgehalten ist. Von diesen Landverkäufen profitierte nicht nur der Adel bedeutend, sondern auch die Juden selbst.
Die soziale Distanz bleibt lange erhalten
„Im Schweiße deines Angesichts sollst du [dein] Brot essen, bis du wieder zurückkehrst zum Erdboden; denn von ihm bist du genommen“ (1. Mose 3:19). Die Bauern hatten eine quasi religiöse Beziehung zur Arbeit und zum Boden. Die Juden waren auch durch Gewerbe-Beschränkungen zur Handels- und Kaufmannstätigkeit gezwungen. Diese behielten sie sich weitgehend vor auch nach der Emanzipation. Das schaffte eine gewisse und fortwährende Distanz zwischen Landbevölkerung und Landjuden, die durch den alten katholischen Glauben bestärkt wurde. Danach waren die Juden für dien Kreuzestod von Jesus verantwortlich gemacht. Andererseits waren die Handelsgeschäfte, verbunden mit „Wucher“, so erfolgreich für die Juden, dass viele aufstiegen innerhalb ein bis zwei Generationen zu angesehenen Bürgern, teils auch mit großbürgerlicher Lebensweise. Diese Entwicklung bildete auch Grundlage für sozialen Sprengstoff und antisemitische Ressentiments,
In der Fachliteratur
Das Thema Rolle der Juden im Rahmen der Agrarreformen wird unterschiedlich behandelt
- Bis Ende 1980-er Jahre ist das kein Thema und wird systematisch vollkommen ignoriert. Im Buch v. Hagen/Behr (1987 und 1988) steht die Bezeichnung Juden nachrangig bei einigen Aufzählungen.
- In der Folgezeit bis heute (2025) ist das Juden ausführlich behandelt. Sie werden weniger als Gestalter und Mitakteure dargestellt, sondern vorwiegend in der Rolle Opferrolle, die mit ungerechten Beschränkungen an der vollen Teilhabe der Emanzipation beschnitten werden. Andererseits wird die große Vielfalt anhand von Personenbeschreibungen sichtbar, gerade bei den Landjuden in Westfalen, Vgl. Strotdrees, Jüdisches Landleben 2024.
- Die kritische zeitgenössische Literatur (v. Schwerz 1836, Edikte im Hochstift Paderborn) wird i. d. R. ganz verschwiegen oder nur unter dem Blickwinkel Behinderung und Ausgrenzung dargestellt. Die besondere ökonomische Bedeutung bei dem Reformprozess nur rudimentär sichtbar. Die Zeit wird als Herausbildung eines Sozialneides in der Bevölkerung und von Stereotypen des Antisemitismus gekennzeichnet.
Zur Situation in Brakel
Beispiele für den Besitz und die Bewirtschaftung von Höfen in der Region
Im den beiden Stiften Paderborn und Corvey gab es schon 1810 rund 300 Grundbesitzer jüdischen Glaubens (Landw. Wochenblatt 43/2021). Diese Fälle sind näher bekannt:
- Levi Lilienthal in Steinheim auf dem Paradieshof von 1837 bis ca. 1850 (vgl. Landw. Wochenblatt 45/2021) und
- Der Schäfer Löwenstein in Borgholz (Landw. Wochenblatt 43/2021)
- Auch in Peckelsheim gab es 6 jüdische Landwirte, teils mit mehreren 100 Morgen. In Borgentreich eine Viehweide von 25 ha.
- Das Gut Edelborn der Familie Aronstein (bei Büren, Kreis Paderborn) hatte 70 ha und einen neu errichteten Gutshof.
Um 1840/50 hatten es viele Landjuden zu Wohlstand und Ansehen gebracht, Der soziale und gesellschaftliche Aufstieg wurde mit der Emanzipation seit 1808 möglich, und zwar trotz der formellen Hürden und Hindernisse. Die Juden waren erfolgreich im Einzel- und Großhandel mit landwirtschaftlichen Produkten und hatten durch ihre Vernetzung besseren Zugang zu Kleesamen für den Futterbau und weiterem Saatgut, Beim Pferde- und Viehhandel waren sie in der Lage, die gewünschten schweren Arbeitspferde und verbessertes Milchvieh zu beschaffen.
Indizien in den Jahren 1843 und 1848
Ein Indiz sind Aufrufe im Rahmen der revolutionären Umtriebe auch in unserer Region. Als Gegner der unterdrückten Bauern werden Adel und Juden genannt und in Flugblättern beschuldigt. Im März 1848 fordern die örtlichen Landwehrmänner Branntwein und Geld von den jüdischen Kaufleuten. Das haben sie sich geholt bei einem Raubzug durch die Stadt. Durch eine List (ein Trommelzug) konnten sie wieder aus der Stadt gelockt werden.
Vgl. StChr. Brakel, S. 100:
Im Monate März d. J. sollten nämlich die Landwehrmänner des ehemaligen Kreises Brakel auf dem sog. Westerlindensiek bei Brakel ihre gewöhnlichen Übungen abhalten. Sie waren auch zahlreich erschienen. Infolge der politischen Wirren war aber unter den rohen Bauernburschen der Geist des Ungehorsams und der Frechheit erwacht. Daher hielt der Feldwebel nur eine wohlmeinende Ansprache, ermahnte zum Frieden und entließ sie. Alsbald strömte der größte Teil der selben in die Stadt, stürmte vor die Häuser der israelitischen Kaufleute und forderte mit Ungestüm Branntwein, Erspartes u. dergl., was ihnen auch verabreicht wurde.
1843 wird Naphthaly Northeim beruflich als Ackermann eingeordnet. Der landwirtschaftliche Beruf war eher unüblich bei jüdischen Einwohnern. Aber hier in diesem Zusammenhang mit der Umwälzungen der Bauernbefreiung, ist es durchaus plausibel. Zu vermuten ist auch, dass es sich dabei um die Hoflage und Besitz eines von Zwangsversteigerung betroffenen Vorgängers handelt.
Notiz über den „Aufschwung des Judentum im 19. Jh.“ in Brakel
So ist eine kurzer Abschnitt der Handschrift betitelt von Johann Junker (1879-1966) in seinem Nachlass (vgl. StA, Ordner 1: Teil Chronologische Daten zu Brakel und verschiedene Personen). Darin nennt er diese Daten und Stichworte:
- 1808: Bürgerrecht und F. [Familien-] N. [Namen]
- Erste Hälfte des [19.] Jh.: Flechtheim-Bank
- 1843: Bau der Synagoge mit Vorbau [-haus]. Anmerkung d. Verf.: Die Einweihung erfolgte 1844.
- 1851-53: Hakesberg, Lobbenberg, Heinemann errichten am Bahnbau in Neuenheerse Metzgereien
- um 1860: [die Familien] Northeim, Weiler, Sudheim besitzen große Teile der Brakeler Feldmark
- Der Getreidehandel kommt völlig in ihre Hand, Firma [Weiler-Heineberg-Flechtheim]
Anfang 20. Jh. verfügen die Brakeler Juden über bedeutenden Landbesitz
Für Brakel ist bekannt, dass größere vorwiegend Ackerflächen der Feldmark in besonders die fruchtbaren Lagen jüdischen Eigentümern gehörten. Es liegt nahe, dass diese Besitzkomplexe nicht zufällig entstanden, sondern zielstrebig verfolgt wurde. Solche Flächen sind zu finden z. B. im
- Königsfeld
- Westerlindenfeld
- auf der Hochfläche Modexen
- Bereich Im Siek (Richtung Riesel)
Im Niekammer-Adressverzeichnis der Besitzungen über 20 ha stehen diese jüdischen Namen
- 1909 Josef Weiler 53 ha, Moses Weiler 33 ha
- 1931 Weiler’sche Erben 53 ha
Weiterhin auffallend ist auch der jüdische Besitz von Flächen im direkten Stadtrand, so an der Ausfallstraßen Warburger Straße und im Bahnhofsbereich. Vgl. „Bebauungsplan 1925 unter Benutzung Katasterkarte, Entwurf 1914“. Bei ca. 40 Grundstücken sind jüdische Besitzer eingetragen. Dabei handelt es sich meist um größere Flächen mit von 1.000 Quadratmetern bis einigen Hektar.
Jüdische Beteiligung beim Grundstücksverkehr, bei der Aufteilung von kleinen und größeren Gütern
In Brakel und in den Orten gab häufig Veränderungen der Besitzverhältnisse, oft ausgelöst durch die Agrarreformen und die schwierigen Rahmenbedingungen (Missernten, Erbauseinandersetzungen). Dort übernahmen die jüdischen Kaufleute Flechtheim u. a. den Besitz, um ihn dann als Kreditgeber oder Zwischenhändler dann wieder zu veräußern. Ebenso bei Zwangsversteigerungen. Solche Fälle sind in
- Brakel Bökendorf, Erkeln, Hembsen Istrup, Rheder und Schmechten belegt.
- Auch in Bad Driburg (Josefsmühle) oder Ottbergen (Gronefeld’sches Gut) sind Brakeler Juden die Akteure.
Auch bei der Veränderung von großen Gütern wie in Gehrden oder Rheder sind jüdische Kaufleute aus Brakel als Verkäufer oder Vermittler beteiligt. Auch die Stadt Brakel verkaufte im 19. Jh. mehrfach an jüdische Besitzer, sie waren normaler Teil des regionalen Bodenmarktes. Das geht aus Domänen-, Rentkammerakten sowie in Hypotheken- und Grundbüchern hervor.
Im Sprachgebrauch der Zeit sprach man bei der Teilung von größeren Besitzungen von „Güterschlächterei“, Umständebedingt steht der Begriff häufig in Verbindung mit Juden. Das wurde später zum Narrativ und Kampfbegriff und ist politisch belastet.
Notiz Verlegung Viehmarkt wg. jüdischem Feiertag
Es wird mitgeteilt, dass der hiesige Kram- und Viehmarkt (in Nieheim) nicht am 16. Oct., sondern am 18. Oct. 1818 stattfindet. Grund der Verlegung ist ein jüdischer Feiertag.
Quelle: Paderbornsches Intelligenzblatt, Jg. 1818, Nr. 74, 16.09.1818, S. 752*
*Danke für den Hinweis an Ulrich Ernst, Potsdam (im Dez. 2023).
