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Zum Westfalentag 1963 in Brakel

Die Großveranstaltung fand vom 27. bis 29. September in Brakel statt. Eine solche wird jährlich vom Westfälischen Heimatbund an wechselnden Orten ausgerichtet. Für die damalige Zeit war das ein mediales Großereignis, im Stadtarchiv gibt es sicher viele Unterlagen.

Hier zwei Berichte von Bredenschülerinnen der UII F (= Untersekunda bw. Kl. 10), dokumentiert im Bredenbrief 1963 [1], ergänzt an wenigen Stellen durch weitere Informationen d. Verf.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist a-bbr-1963a-westfalentag11112022.jpgDieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist bbr-1963a-westfalentag11112022-1-733x1024.jpg
Schülerarbeit Brede: Linolschnitt mit Motiven aus Brakel
Wie ich den Westfalentag erlebte

Von Ursula Lamberti

„Wie stolz waren alle Brakeler Bürger, doch auch wir aus der ‚Vorstadt‘ Brede waren nicht weniger stolz“, so beginnt der Bericht der Schülerin der Kl. 10 und sie berichtet weiter: Die Stadt war geschmückt, viele alte Häusern waren frisch hergerichtet. Im Schaufenster von Kaufhaus Textil-Rust am Hanekamp saßen der Stadtschreiber und ein Landsknecht als leibhaftige Gestalten im farbenprächtigen Gewand. Im Pavillon des Verkehrsamtes Am Thy/Rosenstraße war die neue Kette des Bürgermeisters ausgestellt [2]. Das alte Fachwerkhaus Elbracht-Hülseweh erstrahlte im Glanz des Baujahres von 1763. Aus anderen Hansestädten waren 60 Fahnenabordnungen in der Stadt.  

Der Festsamstag war schulfrei und der Tag begann um 8.30 Uhr mit Festgottesdienst in St. Michael. Prälat Dompropst Brockmann feiert die Heilige Messe. Die Predigt in Plattdeutsch hielt Propst Anton Dünnebacke aus Brilon von der Kanzel [3]. Zum Abschluss sang die Gemeinde das plattdeutsche mehrstrophige Te Deum. Daraus die folgenden Verse. – Aus der Predigt ist auch eine Passage wiedergegeben (siehe Anhang unten).  

Härguod, graut ist Diene Macht! Leiwe Här, wi wilt Di prisen.
Düör (durch) düse Naut (Not) und Nacht kannst Du alleen der Weg us wiesen.
Mag des ganze Welt vergaohn, Diene Macht de blieww bestaohn!

Mehrere Ausstellungen, so in der Volksschule, der Landwirtschaftsschule und der Kreissparkasse widmen sich dem Thema Dorf und Heimat sowie Modernem Bauen auf dem Land. Das Rahmenthema hieß „Kulturarbeit auf dem Lande„. Mehrere Arbeitskreise tagten, von 300 Mitwirkenden ist die Rede an anderer Stelle.

Zur Ankunft des Bundespräsidenten Heinrich Lübke bildeten die Schülerinnen Spalier in der Bahnhofstraße und hatten Wappenfähnchen zum Winken in der Hand. Die Ankunft des Sonderzuges war gegen 17 Uhr. Das frohe Zurufen unterblieb, weil der Bruder von Heinrich Lübke wenige Stunden vorher gestorben war.

Trotz des Regens hatten sich viele Besucher vor der Stadthalle eingefunden, um etwas von dem Glanz der Veranstaltung mitzubekommen. Zwei Schülerinnen gelang es, in den Saal zu gelangen und sie berichten von dem Festvortrag des Bundespräsidenten: Das Kraftfeld Heimat trägt wesentlich die staatsbürgerliche Erziehung und Mündigkeit von Familie, Heimat, Volk und Staat. Von der kleinen Welt auf dem Weg in das vereinte Europa als großes Ziel. Es folgte der Eintrag ins Goldene Buch und die Abreise am späten Abend.   

Zwei westfälische Abende – Über die „Heimatabende des Nethegaus und des Corveyer Landes“

Von Gabriele Thöne, Tochter des Schützenoberst Josef Thöne, Landtechnik (Schützen-Oberst 1961-65). Die zahlreichen Fahnenabordnungen der Schützenvereine standen für lebendiges Brauchtum. Den ganzen Abend über gab es ein anspruchsvolles Programm in der Stadthalle mit Dichterworten in Poesie und Prosa zur Weckung der Heimatliebe und zur gepflegten Unterhaltung, z. B.

  • Aus der Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff
  • Prios Lehrspruch aus Friedrich Wilhelm Webers Dreizehnlinden
  • Peter Hille Märchen Wie die kleinen Engel singen und fliegen lernen
  • Fritz Kukuk (aus Himmighausen) mit 2 plattdeutschen Gedichten
  • Ein Herr aus Münster vermittelt die Klangfülle und Urwüchsigkeit der Plattdeutschen Sprache 

Es folgen musikalische Beiträge und Volkstänze sowie das Theaterstück „Wirtshaus Nobiskrog – Tüsken Liäben und Daud‘ – mit dem Sieg des Guten über das Böse.

Der Literaturpreis, der sog. Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis, wurde an Prof. Dr. Friedrich Sieburg (1893-1964) aus Altena vergeben. Der Preis war mit beachtlichen 10.000 DM dotiert [4].

Zum Ausklang wurde das Westfalenlied von Emil Ritterhaus gesungen (von 1868) mit dem Refrain: „Es grüßt dich Gott, Westfalenland“.

Anmerkung

[1] Der jährlich zum Jahresende erscheinende Bredenbrief ist eine Broschüre im DIN A5-Format berichtet aus Schulen und Kloster seit ca. 1890 mit dem Beginn der Oberstufe als Lyzeum

[2] Zur Amtskette: Vgl. Die Warte 1988 (Heft 59, S. 35): Amtskette für die (den) Bürgermeister der Stadt Brakel. Von Hermann Hoffmeister. Das private Gästebuch des Amtmanns zeigt 21 Unterschriften von offiziellen Personen des Westfalentags.

[3] Propst Anton Dünnebacke (1906-1986) aus Eslohe-Wenholthausen. Nach Stationen in Dortmund wurde er 1957 Propst in Brilon, Dekan und Präses der Sauerländer Schützenbruderschaften. Quelle: A. Kurte, Necrologium II Totenbuch der Paderborner Priester, (Paderborn 2021).

[4] Archiv LWL: Verleihung des Literatur-Preises – „Friedrich Sieburg schrieb einen Teil der Weltliteratur mit“.

Anhang

Hier der weitere Text aus der Predigt des Pfarrers Anton Dünnebacke aus Brilon

Platt in der Kirche vermittelte volksnah den Glauben. Heimat, Gemeinschaft und Religion als Inhalt war sehr beliebt, und eingestreute Redewendungen waren zum Schmunzeln.

Überstagung HochdeutschNiederdeutsch (Platt)
„Wenn man von Heimat spricht, dann gilt das vor allem für den Menschen: Er ist ein gutes Bild. Er soll leben, wie es Gott gefällt. /
Der Mensch steht in der Gemeinschaft – in der Familie, in der Nachbarschaft und im Dorf. Er kennt Arbeit, aber auch Sonntag und Feste. / Der Mensch ist dazu berufen, für Gott zu wirken; darum müssen die Kirchen mitten im Dorf und im Menschen lebendig bleiben.
Hilf uns, Sankt Michael, dass wir dieses Werk richtig begreifen und mit Kopf und Hand einstehen für unser liebes Westfalenland!“
Wenn man von Heime köert, dänn gioht dat vör allen den Mönken an, he is Guodes Bield.
He sall liewen, wie dat de Härguod will. — De Mönke stoiht in de Gemeinskop: inne Familie, Noberskop un in Duarpe.
He kennt Arweit, öwwer auch Sunndag un Fäste. — De Mönke es toom drüdden fürn Härguod schaffet, dorümme müß de Kärken möitun in Duarpe und in den Minsken lebändig bluiben.
— Hölp us, Sankt Michäle, dat wui düt Wirks richtig begruipet un me Kopp un Hand instehe für inne loiwe Westfoalenland!“n für unser liebes Westfalenland!“