Zwei Gedichte von 1926
Die Sudheimer Brücke
Dort, wo das Dörfchen Sudheim einst gelegen,
Die Nethe tritt in Brakeler Gebiet,
Da ragt ein massig Bollwerk uns entgegen,
Auf dem der Wanderer des Weges zieht.
Kein Werk der Neuzeit zeiget sich dem Blicke,
Wenn dauernd man das Ungetüm erschaut,
Denn einem festen Walle gleicht die Brücke,
zum Schutz gegen Unbill aufgebaut.
Entstammend mittelalterlichen Zeiten,
Gebot dem Feind sie dem Feind‘ sie männiglich ein Halt,
Und bei des Flusses Ufer-Überschreiten
Dem Volke sie als sich’re Fährte galt.
Gar vieles weiß die Brücke zu berichten
Aus Kriegeswirren und von Freud und Feind,
Denn ein Jahrhundert waren die Geschichten
Des Nethegaus mit ihrem Bild vereint.
Verrauscht ist jene Zeit in tiefem Frieden
Dient jetzt die Brücke edlerem Getu;
Und wo die Menschen einst sich feindlich schieden,
Da wendet man sich jetzt der Eintracht zu.
Aufstrebend aus des Nethflusses Wiege
Bleibt sie ein Notwerk zwar aus alter Zeit,
Doch ihr gewaltig schweres Steingefüge
Scheint zu genügen einer Ewigkeit.
Geräuschlos blitzen spiegelblanke Fluten
Des Flusses durch der Brückenpfeiler Joch,
Um jenseits während einiger Minuten
zu kreisen über tiefem Wasserloch.
Nur selten wagt der jugendlichen Schwimmer
Den Kolk zu kreuzen, trotzend dem Verbot,
Nicht achtend auf des Ungeheuers Schimmer,
Das ihn zu sich hinabzuziehen droht.
Noch ist kein voll‘ Jahrhundert hingeschwunden,
Als hier ein Knecht, zu tränken sein Gespann,
Den jähen Tod im Kolke hat gefunden,
in dem verschwand der Pflug, die Rosse und der Mann.
Nun träumt die Brücke hin im Friedensbilde,
Beachtet kaum vom heutigen Geschlecht,
Do kommt das Fest der Brakeler Schützengilde,
Erfreut sie Jedermann, so Herr wie Knecht.
Vgl Eintrag in Stadtchronik Brakel 1845
- Am 29. August 1845 des Abends ertrank der Knecht des Ackermann Johann Spellerberg No 30 namens Johann Bertram aus Bredenborn samt einem Pferd in der Untiefefurt an der östlichen Seite der Sudheimer Brücke.
Der hiesige Abdecker Johann Sommer – des Untertauchens kundig – eilt herbei, lässt sich in den Strudel hinein, findet den Bertram an der Seite zwischen den Steinen festgeflossen (?), bringt ihn glücklich herauf. – Alle Lebensversuche aber waren vergebens.
Klein-Sudheim
Rauh steigt der Pfad allmählich / empor zum grünen Tann,
Der Herz und Sinne selig / zur Andacht stimmen kann.
Ein Steinbruch liegt am Wege, / der ledig seiner Last,
Hier summt ein wildes Bienchen / als zartes Heidekind,
Dort flüchtet ein Kaninchen / in seinen Bau geschwind.
Die wilden Tauben schwirren / jäh aufgeschreckt dahin
Und durch Geröll und Kiesel / bricht aus dem Waldessaum
Ein räuberlistig Wiesel, / ich sah es wie im Traum.
Hoch oben kreist im Äther / ein Falk‘ im Schwebeflug,
Und dort auf grünen Halde, / winkt eine Bank zur Ruh‘,
Ich sah im stillen Walde / den muntern Vöglein zu,
Es ist ein lieblich Wetter, / doch schwach der Sonne Glut,
Denn Herbst will es nun werden, / er naht mit Graus und Sturm
Und wird, was lebt. zertreten / wie einen schwachen Wurm.
Tritt mit brutalen Füßen / die Hoffnung mir entzwei,
Dass einmal noch möchte‘ sprießen / ein deutscher Freiheits-Mai.
.
Die Sonne geht zur Neige, / als ob sie sterben wollt.
Durch Blätter, Ast und Zweige / glänzt mattes Abendgold.
Die Landschaft in so milder / Betonung und Versteh’n
Hab ich als Wunderbilder / in Klein-Sudheim geseh’n.
