Die Befreiung Brakels und das Kriegsende 1945
Ab Februar spitzt sich die Lage zu
Ab Februar 1945 wurde das nahende Kriegsende immer mehr physisch spürbar. Der Bahnhof wurde am 22. Februar vollkommen zerstört. In Ottbergen gab es 90 Tote beim Angriff auf den Knotenpunkt. Es folgten fast täglich Fliegerangriffe, ein geregelter Schulbetrieb und normale Gottesdienste waren nicht mehr möglich. Es gingen Schreckensmeldungen herum über die von Fliegerangriffen zerstörten Städte (Kassel im Okt. 1943, Dresden am 14. Febr., Paderborn am 27. März 1945). Tiefflieger verbreiteten weiter Angst und Schrecken, Eisenbahnzüge und Infrastruktureinrichtungen waren Ziele. Sieben Soldaten fanden den Tod bei Hembsen. Die jungen Männer, Angehörige eines SS-Verbandes, im Alter von 17 bis 18 Jahren waren auf einem Truppentransport-Zug.
Durcheinander und Chaos
Häftlinge aus Konzentrationslagern und Zwangsarbeiter kamen als Treks kamen durch die Stadt. Sie wurden teilweise für kurze Zeit außerhalb untergebracht. in der Karwoche waren die Signale von kommenden Angriff unübersehbar. Viele hatten heimlich Feindsender gehört und kannten den Frontverlauf. Einzelne Gruppen verließen die Stadt, um im Modexer Wald dem befürchteten Angriff zu entgehen. Die sich in der Stadt befindlichen Wehrmachtssoldaten zerstörten in der Woche vor Ostern Hitlerbilder in den Schulen, wo sie untergebracht waren. Gemäß einer Anordnung wurden NS-Uniformen, Parteiabzeichen verbrannt bzw. sie landeten in Brakel im Feuerteich. Die Partei hatte in mehreren Nächten Akten verbrannt.
Die US-Truppen auf dem Vormarsch
Nach der Rheinüberquerung der Alliierten bei Remagen (und Wesel) kam Front der Amerikaner über das Sauerland und Hessen von Süden in den Kreis Höxter. Warburg wurde am 31- März kampflos übergeben worden und ein wurde ein wichtiger Stützpunkt für das Vorrücken in die Kreise Warburg und Höxter. Der weitere Vormarsch wurde immer wieder unterbrochen durch Gefechte mit von Westen zurückflutenden Truppenteilen. In Borgentreich, Scherfede, Bonenburg, Willebadessen und Tietelsen gab es Häuserkampf mit hohen Verlusten von deutschen und amerikanischen Soldaten. Die deutsche Panzereinheit kam nicht weit mit schweren Waffen, es gab keinen Nachschub für Sprit. Beverungen wurde erst am 6. April eingenommen, Höxter am 7. April. Eine Woche sinnloses Blutvergießen mit 700 Toten und hohe Schäden ist die nüchterne Bilanz dieser Woche nach Ostern im Raum zwischen Egge und Weser.
Brakel, Anfang April
Auch in Brakel gab es ein Gefecht durch eine kleine Grenadiereinheit, die nicht weit vom Schäferhof platziert. Es war ein provisorischer Trupp, zusammengestellt aus verwundeten Soldaten aus dem Genesungs-Lazarett Goslar und jungen militärischen Helfern im Alter von 16 bis 46 Jahren. Er beschoss am 5. April die US-Panzer, die von der Emde herunter kamen in der letzten Kurve. Die Antwort kam prompt: Die kleine Einheit der 14 deutschen Soldaten ging im Gewehrheuer unter, eine Feldscheune beim Schäferhof brannte nieder. Der US-Truppenteil zog weiter nach Bellersen usw.
Im Stadtkern waren die Stadteingänge der Einfahrstraßen mit großen Baumstämmen blockiert, die an den Straßen gefällt wurden. Ein hilfloser Versuch, mit Panzersperren dieser Art, Widerstand zu demonstrieren.
Am Ostersonntag, dem 1. April, schien die Lage noch nicht direkt bedrohlich. Aber am 4. April folgte ein Artilleriebeschuss mit 40-50 Granaten auf die Stadt. Es gab ca. 15 Tote, davon10 in einem Luftschutzkeller im Haus Hanekamp/Ecke Bahnhofstraße.
Der Einmarsch am 6. April
Am Freitagabend, den 6. April 1945, erfolgte der Einmarsch der 5. US-Armee nach Brakel von Westen her (über Istrup, Riesel). Angehörige der Wehrmacht und NS-Funktionäre waren (meist mit dem Fahrrad) bereits Richtung Weser gezogen, so dass es zu keinen Kampfhandlugen kam. Auch zwei Delegationen mit weißen Fahnen war vorbereitet, die nur am Rande zum Einsatz kamen. Sie Stadt wurde kampflos eingenommen dank des umsichtigen Bürgermeisters Jakob Müller.
Literatur
- Waldemar Becker (1994): Das Kriegssende 1945 im eh. Hochstift Paderborn. Heimatkundliche Schriftenreihe der Volksbank Paderborn, Heft 25. 47 S.
- Hans Boelte (1979): Der „Kreis Höxter in jenen Tagen“ mit mehreren Fotos.
- Stadtchronik Brakel (StChr.): Handschriftliches Manuskript 1803-1978 von mehreren Autoren. Große Teile nicht original, sondern zusammenfassend dokumentiert. Mehrere Jahre ohne Eintrag.
