Die Brakeler Landwehr
Das frühe Mittelalter war eine rechtlose Zeit, in er das Faustrecht galt, das Räuber und Fehden-führenden Adligen nutzen zu ihrem Vorteil.
Gegen diese Bedrohung errichteten viele Städte ein aufwändiges Befestigungssystem, die Landwehr. Im Hochstift Paderborn finden sich viele Beispiele, die nicht nur Städte sondern auch Fürstbischöfe nutzten zur territorialen Abgrenzung gegen andere Landesherren.
Eine Landwehr diente nicht nur der Feindesabwehr, sie war auch Ausdruck der Eigenständigkeit einer selbstbewussten Stadt und schon allein durch ihren Bau ein Signal der Abwehr und Sicherheit. Die Hauptzeit der Landwehren dauerte von 1400 bis ca. 1600. Danach begann die Zeit der Heeresverbände, für die die Landwehren kein wirkliches Hindernis mehr waren. In Brakel wurde das System in Teilen vor 1200 angelegt und als geschlossener Ring bis etwa 1650 benutzt und instandgehalten.
Wall- und Grabensystem
Das geschlossene Wallsystem umfasste zwei ca. 12 m breite Gräben, dazwischen einen erhöhter Wall (20-40 m) mit dichtem Gestrüpp aus Dornenhecken. An den wenigen Durchgängen gab es einen einfachen Durchlass („Schlinge“ genannt) für Personen und mit Schlagbaum an den größeren Wegen. Ein einfaches Häuschen und ein runder Turm waren von einem Wächter („Tornemann“ benannt) bewohnt, der dafür entlohnt wurde. In Brakel gibt es Unterlagen, die eine Namensliste für den Modexer Turm von 1450-1456 enthalten. 1457 waren weitere zwei Personen beauftragt, Teilabschnitte zu überwachen, um Frevler beim Holzschlagen zu melden.
Ein Turm diente der Signalübermittlung mir Fahnen oder Feuer (nachts). Es mögen für Brakel wohl 10 bis 15 Türme gewesen sein. Das ist angesichts des langen Verlaufes durchaus glaubhaft.
Die Modexer Warte
Mit der Modexer Warte, drei Kilometer östlich von Brakel, ist mit dem ca. 12 Meter hohen begehbaren Turm ein Relikt der alten Landwehr erhalten. Der Turm war nicht Teil der Anlage, er stand circa einen Kilometer davon entfernt auf einer Anhöhe. Vor hier ließ sich eine weiter Bereich überblicken und es bestand Sichtverbindung zur Stadt Signalübermittlung (Ewald 1925, S. 46).
Zum Verlauf
Interessant ist der Verlauf, der sich anhand von historischen Zeugnissen und Erfahrungen rekonstruieren lässt. Wilhelm Engelbert Giefers (zitiert nach Ewald 2025, S. 45) hat diesem im 19. Jh. schriftlich festgehalten. Bernd Zymner hat für eine Veröffentlichung 2017 eine Zeichnung angefertigt. Es gibt nur wenige Fixpunkte aus Beschreibungen, weshalb es sich um einen ungefähren Verlauf handelt. Natürliche unwegsame Geländeabschnitte waren bewusst mit einbezogen.
Noch dieser Hinweis zum Verlauf auf der Karte: Die Nordost-Ecke ist ungenau dargestellt. Der Modexer Turm war nicht Teil der Grenzlinie. er stand auf einer nahe liegenden und gut sichtbaren Erhöhung. Dire Grenze verlief einige 100 Meter nördlich bis fast zur Schwarzen Brücke und danach Richtung Süden nach Hembsen. Darauf weisen Flurbezeichnungen hin wie „Vor/hinter der Landwehr“ oder „Bei den Landwehrgärten“ des späteren Gutes Modexen.
Ende der Anlage und Umwandlung für die landwirtschaftliche Nutzung im 18. Jh.
Für die neue Kriegstechnik bildete die Landwehr kein großes Hindernis mehr. Die Wall- und Grabenbereiche wurden in Äcker, Weiden und Gärten umgewandelt. Vielfach wurden Strukturen erhalten zur Abgrenzung von Eigentums- und Hoheitsrechten. Es entstand mehrfach Gemeinland für Vieh und gemeinsame Nutzung, das erst nach 1850 aufgelöste wurde. Grenzsteine markierten den Grenzverlauf. Um 1800 wurden die restlichen Bauwerke beseitigt und das Steinmaterial für den Straßenbau verwendet. In der Natur gibt es kaum noch Anhaltspunkte für die ehemalige Anlage, nur in digitalen Karten lassen sich ehemalige Grabensysteme nachweisen. Auch auf Luftbildern lassen sich nicht selten Spuren erkennen.

Literatur, Anmerkungen
- Ewald, Ruprecht (1925): Geschichte der Stadt Brakel. Faksimile der 1. Ausgabe 1984, Druck Wilhelm Schröder Brakel. Hg. Spar- und Darlehnskasse Brakel.
- Schild, Björn, Brakel, mündlich: Sondengänger und Kartenspezialist
- Webseite www.warttuerme.de mit Modexer Warte
- Zymner, Bernd, Brakel (2017): Das Schützenwesen der Stadt Brakel. In: Das Schützenwesen der Stadt Brakel, Teil II. Mit großem historischen Teil einschl. Landwehrverlauf. Hg. Bürgerschützenverein Brakel.
