Verfolgung in den Kirchengemeinden in Brakel

Das Buch Engemann/Ernst (1988) widmet den Attacken des Staates auf die Kirchen und ihre Personen ein eigenes Kapitel: S. 163-179. Darin sind Papierdokumente und weitere Beschreibungen enthalten.

  
Das Kloster Brede bilanziert

„Zwölf verhängnisvolle Jahre“ [2] : Die Hoffnung auf die Wirksamkeit des Konkordats von 1933 war von kurzer Dauer, denn die schleichende Diffamierung und Ausgrenzung ging weiter. Alles sollte der Gleichschaltung unterworfen werden. Es gab Drangsalierungen auf verschiedenen Ebenen gegen katholische Orden, Kongregationen und andere Einrichtungen. Ein wichtiger Hebel waren die sog. Auslandsschulden. Auch die Brede hatte Darlehen in Amerika und Holland aufgenommen und geriet wegen Devisenvergehens in Verdacht. Die Hausdurchsuchung, Verhöre und Methoden sind beschrieben. Das Protokoll umfasste 5-6 Seiten und bestand aus mindestens 5 Durchschlägen.

Bischof Petrus Legge

Dem Bischof von Meißen (1932-51) wurde ein Devisenprozess gemacht. So wurde Brakel mit Elternhaus, dem Haus Legge, Ostheimer Straße 8, für eineinhalb Jahre sein Aufenthalt im Zusammenhang mit dem Prozess von 1935 bis 37. An ihn erinnern der Titel Ehrenbürger (1932), die Benennung des Städtische Gymnasium in Petrus-Legge-Gymnasium (PLG) 1982 und die Straßenbenennung im Heinefeld 1962.

Stadtpfarrer Friedrich Grüne (Dechant und Geistlicher Rat)

Dem einsatzfreudigen Pfarrer Franz Anton Friedrich Grüne (in Brakel 1922-41) waren Religionsunterricht und das kirchliche Leben sehr wichtig. Vor Brakel war er im Ruhrgebiet eingesetzt und erhielt eine soziale Prägung durch Gesellenvereine u. a. Auch war er politisch engagiert in der Zentrumspartei (zeitweise als Vorsitzender) und als Leiter von kirchlichen Vereinen. Wegen staatsfeindlicher Äußerungen kam er 1941 für einen Monat in Schutzhaft und erhielt dann Berufsverbot. Eine Erklärung von Bischöfen aus Holland (übermittelt durch den Geistlichen Riepe, Bad Driburg) wurde im Brakeler Pfarrhaus gefunden, der Pfarrer der Hinnenburg hatte es der Gestapo übermittelt. – Pfarrer Grüne ist wenig später, 1944, im Sauerland, seiner Heimat, gestorben und wurde in Brakel beigesetzt. Diese Beerdigung war eine Glaubensdemonstration gegen das Regime schreiben verschiedene Quellen (S. 167). Die Straßenbenennung einer Dechant-Grüne-Straße (im Bereich Am Meierbach) erfolgte ca. 1998.

Pfarrer Karl Pabst, ev. Kirchengemeinde

Der junge Pfarrer überzeugte die Mehrheit des Presbyteriums zur Zustimmung zur Barmer Erklärung, die am 24.10.1934 in der Kirche von der Kanzel verlesen wurde. Das sorgte für einen Aufstand innerhalb der Kirchengemeinde und ein halbes Jahr später (April 1935) erhielt er Berufsverbot im Regierungsbezirk Minden wegen Gefährdung er Öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Eine ca. 1998 nach ihm benannte Straßen erinnert an den Mutigen Mann. [3]

Weiteres und eine Aufregung

Es folgen handschriftliche Zeugnisse über das Leben der kath. Kirchengemeinde Kriegsjahr 1941. Bemerkenswert ist ein Absatz aus den Erklärungen der Autoren des Buches 1988:  

Wie ungebrochen dennoch trotz aller Schikanen und Schwierigkeiten die christliche Bevölkerung für ihre Normen eintrat, beweist folgender Vorfall: In der Stadthalle forderte ein auswärtiger Redner dazu auf, ‚dem Führer Kinder zu schenken (auch ohne Trauschein!'“ In allgemeiner Empörung jagte man den Redner aus dem Saal, verfolgte ihn und der ‚bärenstarke‘ […] Oberveterinärrat N.* warf ihn in den Feuerteich.“
*( = Tierarzt Dr. Harry Nutt)


Anmerkungen, Literatur

  • [1] Engemann/Ernst (1988): Nationalsozialismus und Verfolgung in Brakel – Dokumentation und Kommentar. Herausgegeben von der Stadt Brakel. Druck Hillebrand, Beverungen
  • [2] Jubiläumsschrift (1983): Up der Breden 1483-1833-1983. Paderborn, S 78-79
  • [3] Borchert/Zymner (1986): Die Brakeler Erklärung v. 24.10.1934. Brakeler Schriftenreihe, Heft 2.