Desinfektionsanstalt

Die städtische Desinfektionsanstalt

Vorbemerkung:

Das 19. Jahrhundert brachte einige Wellen mit Infektionskrankheiten durch Bakterien, Pilze oder Viren mit sich. Über die Ansteckungswege war noch wenig bekannt, vieles hatte seinen Ursache in den unzureichenden hygienischen  Verhältnissen und lokale Epidemien brachen aus. Tuberkulose, Cholera, Typhus , Spanische Grippe traten auf. Für Brakel sind einige bekannt, so die Cholera 1868 in Brakel und Riesel.

Die städt. Desinfektions-Anstalt

1892 wird ein Gebäude errichtet Ostheimer Straße, an der Bahnunterführung nach Hembsen („Ausschachtung“).

Koberg schreibt, ansteckende Krankheiten wie Diphterie, Typhus, Schwindsucht seien aufgetreten.

Es gab Mittel vom Kreis für 5 Dampfinfektions-Apparate mit je 2 Transportwagen (Transport infiziert bzw. desinfiziert). Für die Benutzung wurde eine Gebühr erhoben: 5 Mark je volle Füllung, 3 Mark für halbe Füllung oder Einzelgegenstände.

Über den Einsatz (Benutzung) wird mitgeteilt:

  • 1898/99 = an 16 Tagen von 20 Personen
  • 1899/1900= an 12 Tagen von 13 Personen

Quelle: Koberg (1901)

Hinweis im Zusammenhang mit Cholera-Ausbruch in Dalhausen 1868

Die Cholera (Durchfallerkrankung) fordert 1968 in 2 Wochen im Oktober über 50 Tote in Dalhausen. Sie gelobten damals der Verzicht auf alle Karnevalsveranstaltungen.
Interessant ist die Aufarbeitung der Epidemie in einer medizinischen Fachzeitschrift: Dort ist in einem Beitrag von Kreisphysikus Disse von der Situation in Höxter die Rede. Die Einschleppung erfolgte durch einen Korbmacher. Auch Fälle in Brakel und Riesel werden genannt, die durch den Besuch von Beerdigungen u. a. nach Hause mitgebracht wurden.

Literatur

Manfred Dierkes (2014: Not lehrt beten – Die Dalhauser Cholera-Epidemie von 1868. In: Heimatkundliche Schriftenreihe 14/2014, Hg. Heimat- und Verkehrsverein Beverungen

Hinweis auf Spanische Grippe 1918

Im März erfasst die Spanische Grippe Stadt Paderborn und Umland. sie soll über die amerikanische Beteiligung im Ersten Weltkrieg nach Europa gekommen sein. In einer zweiten Welle im Oktober lag das öffentliche Leben lahm. Schulen geschlossen, kein Bahnverkehr. Krankenhäuser überbelegt, Lazarette. Die meisten Infizierten überlebten, aber 0,6 % der Bevölkerung starben an der Grippe. Die Pandemie (weltweit Millionen Tote) erfasste Deutschland am Ende des ersten Weltkrieges, als es viele anderen Probleme gab. Andere Empfehlungen als Händewaschen und Bettwäsche wechseln hatte man damals nicht.

Jonas Eberhardt (2020): Durch die Tore der Friedhöfe … – Eine Geschichte der Spanischen Grippe im Kreis Paderborn. Die Warte 186, S. 2-5